Entschließung des Sprecherrats zur Verbesserung des Zustands jüdischer Friedhöfe in Rheinland-Pfalz.

Fachtagung „Jüdische Friedhöfe in Rheinland-Pfalz“ 18. Oktober 2012 Simmern

Jüdische Friedhöfe sind wichtige und vielfach die einzigen noch sichtbaren Überreste deutsch-jüdischen Lebens. Mit großer Sorge stellt die LAG daher fest, dass auf jüdischen Friedhöfen in Rheinland-Pfalz ein großer Teil der Grabsteine durch Witterung verfällt, bevor die Inschriften aufgenommen und dokumentiert wurden. Dadurch gehen zahlreiche wichtige Zeugnisse jüdischen Lebens verloren, vielfach die letzten, die von den früheren jüdischen Gemeinden noch erhalten sind.

Die LAG bedauert, dass nicht alle jüdischen Friedhöfe als Denkmal gelistet sind. Die Folge waren Umnutzungen, Zerstörungen, Unsicherheiten und auch Auseinandersetzungen in verschiedenen Gemeinden.

Die Pflege der Friedhöfe ist teils hervorragend. Leider ist sie teils so schlecht, dass Gräber nicht mehr sichtbar oder nicht zugänglich sind, obwohl die Träger gemäß der Richtlinie des Landes über die Betreuung der jüdischen Friedhöfe dafür Förderung erhalten. Auch hat unkundige Pflege die jüdische Tradition nicht beachtet und den historischen Zusammenhang zerstört.

In einer Reihe von Gemeinden fehlen Hinweistafeln, auch sind die Friedhöfe oft in den Plänen der Touristinformation nicht eingezeichnet. Das gleiche gilt oft für ehemalige Synagogen. Für die zunehmende Zahl von Besuchern aus dem In- und Ausland, darunter viele Nachkommen ehemaliger deutsch-jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger, ist es befremdlich und unerfreulich, wenn sie vor verschlossenen Toren stehen und Hinweise auf die Zugänglichkeit fehlen.

Die jüdischen Friedhöfe würdig zu erhalten, zu dokumentieren und den Zugang zu sichern, ist eine gesamtgesellschaftliche Verpflichtung.

 

Die LAG appelliert an alle Verantwortlichen,

  • alle jüdischen Friedhöfe unter Denkmalschutz zu stellen,
  • die Frage zu klären, was vom Denkmalschutz erfasst ist und welche Bedingungen dabei gelten,
  • sofort mit der Sicherung und Dokumentierung der Inschriften und der Erstellung von Belegungsplänen zu beginnen,
  • die mit der Pflege Beauftragten über fachgerechte Pflege nach jüdischer Tradition und denkmalpflegerischen Grundsätzen zu schulen,
  • dementsprechend den Einsatz der Fördermittel sicher zu stellen,
  • die Städte und Gemeinden zu veranlassen, Hinweise auf die deutsch-jüdischen Denkmäler in Pläne einzutragen, Hinweistafeln aufzustellen, Informationsmaterial bereit zu stellen und Ansprechpartner für Anfragen und Gästebetreuung zu benennen,
  • ein einheitliches Erfassungsraster für die digitale Inventarisierung und Dokumentierung bereit zu stellen.

 

Die LAG, die mit ihren 47 Mitgliedsorganisationen das deutsch-jüdische Erbe pflegt und an die Verfolgung erinnert, bietet ihre Mitarbeit an. Die Arbeitsergebnisse von ehrenamtlichen Initiativen der LAG vor Ort könnten über ein landesweit einheitliches Erfassungsraster in die Dokumentation der Landesdenkmalpflege synergetisch eingebunden werden.

 


 

Richlinie des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur v. 25. Januar 2011 (972 Tgb.-Nr. 803/10):

Zuschussgewährung zu den Reise- und Übernachtungskosten für den Besuch der Geburts- und Grabstätten ehemaliger jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger in Rheinland-Pfalz: HIER lesen (pdf)

 


 

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