Jüdische Friedhöfe in Hessen: Dokumentierung, Forschung, Pflege

Gespräch mit Dr. Hartmut Heinemann, Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen,

Mosbacher Straße 55, 65187 Wiesbaden, (im Hess. Hauptstaatsarchiv)

Tel 0611 - 881 - 137, email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

https://hauptstaatsarchiv.hessen.de/irj/HHStAW_Internet?cid=44e6bc81c665cecb6d2435aa34cdc49e

(Niederschrift über das Gespräch am 15. Juni 2015, Mainz, Büro des Bürgerbeauftragten)

Teilnehmer: D. Burgard, Chr. Pies, R. Rosenau

Angesichts der in Rheinland-Pfalz unbefriedigten Lage der verwaisten jüdischen Friedhöfe - Dokumentierung, Forschung, Pflege) hatte der Sprecherrat Dr. Heinemann um ein Gespräch über die Entwicklung in Hessen gebeten. Nach einer Schilderung der Lage in Rheinland-Pfalz, darunter

 

  • unklarer Denkmalschutz,
  • fehlende Leitlinien für die Dokumentierung und Pflege,
  • uneinheitliche Regelung in den Bundesländern,

berichtete Dr. Heinemann:

 

Gründung, Zielsetzung, Mitglieder

Der Auschwitz-Prozess in Frankfurt gab 1963 den Anstoß für die Gründung der Kommission für die Geschichte des Judentums oin Hessen. Sie ist die dritte Historische Kommission und Hessen neben den 1897 gegründeten Historischen Kommissionen für Hessen (Kooperationspartner des Staatsarchivs Marburg) und für Nassau und wie diese Kooperationspartner des Hessischen Hauptstaatsarchivs in Wiesbaden. Die Kommissionen arbeiten ehrenamtlich, ihre Mitglieder sind zugewählte Wissenschaftler.

Sie befassen sich mit Forschung und Dokumentierung, nicht mit der Pflege der JF.

Die Kommission für die Geschichte des Judentums fördert die Erforschung der Geschichte der jüdischen Bevölkerung auf dem Gebiet des heutigen Hessen, besonders in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Erforschung der jüdischen Friedhöfe in Hessen. Den Vorsitz übernimmt in der Regel eine Persönlichkeit aus der Politik, zur Zeit Ruth Wagner, (FDP, ehemalige Vizepräsidentin des Hessischen Landtags und Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst. Der Vorstand wird geleitet von Prof. Friedrich Battenberg, wiss. Archivar, 1997 bis 2011 Leiter des Staatsarchivs Darmstadt.

 

Unter den derzeit über 70 wissenschaftlichern jüdischen und nichtjüdischen Mitgliedern (Historiker, Hebräisten, Theologen) befinden sich auch die folgenden aus Rheinland-Pfalz:

 

  • Prof. Dr. Dr. Otto Böcher (em), Prof. für Neues Testament, Mainz
  • Dr. Fritz Reuter, Historiker, 1964 Leiter des Stadtarchivs Worms und Gründer des Jüdischen Museums Worms,
  • Dr. Gerold Bönnen, derzeitiger Leiter des Stadtarchivs und des Jüdischen Museums Worms (Raschi-Haus),
  • Prof Dr. Andreas Lehnardt, Professor für Judaistik, Universität Mainz, zeitweise Vorsitzender des interdisziplinären Arbeitskreises für Jüdische Studien, Mitglied der LAG,
  • sowie eine Doktorandin der Universität Trier.

 

Finanzierung

Die hessischen Geschichtskommissionen sind seit etwa 20 Jahren dem Landesamt für geschichtliche Landeskunde in Hessen zugeordnet, bei dem jährlich 30.000 € zur Verfügung stehen, die im April einvernehmlich verteilt werden. Im jährlichen Novemberfieber konnte Dr Heinemann Restmittel für die Erstellung von Lageplänen der JF erhalten. Die Mittel sind nicht für Personal und Tagungen, sondern für die Mitfinanzierung und die Einstellung der Ergebnisse ins Internet gedacht. Dafür konnten gelegentlich auch kleinere Werkverträge vergeben werden.

Für die Erforschung und Dokumentierung der JF konnten 1980 Mittel der Stiftung Volkswagenwerk für 5 Jahre gewonnen werden, danach begann die Arbeit.

Jüdische Friedhöfe in Hessen
Projekt: 75 Friedhöfe mit Grabsteinen von vor 1800 (außer Frankfurt) dokumentieren

  • Fotos, übersette Texte
  • Gräberlisten: Fakten naus Inschrift, Sterbedatum, hebr. u. bürgerliche Namen, Eltern, Ehepartner, Herkommen, beruf, Funktion in der jüdischen Gemeinde
  • Lagepläne für größere Friedhöfe
  • Weiterführung: fmiliärer, sozialer Zusammenhang,
  • Ergänzende Daten aus schriftlichen Zeugnissen wie jüdischen Personenstandsregistern (Gatermann-Apparat), und Standesregistern bei den Kommunen

 

 Herr Dr Heinemann beschreibt die Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen JF:

 (wird ergänzt)

 

Probleme:

 

  • Die IRSO - Jewish Restitution Successor Org. - hat Freiflächen jüdischer Friedhöfe verkauft.
  • Bei den bestehenden jüdischen Gemeinden sind verwaiste JF kaum Thema.

 

Veröffentlicht: 5 Friedhöfe in Buchform mit 15.000 Grabinschriften. Eigenes Modul, siehe LAGIS.

 

Anregungen für Rheinland-Pfalz:

 

  • Kontakt mit LAGIS, Arbeitsweise
  • Kontakt mit IGL Institut für geschichtliche Landeskunde an der Uni Mainz (derzeitiger Vorsitz: Prof Dr. Michael Matheus.

 

 Dr. Heinemann übergibt dem Sprecherrat zwei Exemplare der Veröffentlichungen:

 

Bildband:

Hartmut Heinemann, Christa Wiesner: Der jüdische Friedhof in Alsbach an der Bergstraße. Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen. 2001. Bildband mit Lageplan, 162 Seiten. 19€.


Infoblätter:

 

  • Faltblatt Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen
  • Jüdische Friedhöfe in Hessen. Ein Modul im Landesgeschichtlichen Informationssystem Hessen (LAGIS)
  • Der jüdische Friedhof in Dieburg. 19€
  • Der jüdische Friedhof in Hanau. 2005. 39€,

    Flyer HIER downloaden

 


 

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