Gedenkstele in Odenbach

„Förderverein ehemalige Synagoge Odenbach e.V.“ errichtet eine Gedenkstele als Gedenkstätte für sechsundzwanzig jüdische Bürgerinnen und Bürger, die im Holocaust ermordet wurden

Im Rahmen der Dorfmoderation in Odenbach zur Neugestaltung des Platzes an der Synagoge durch das Geographisches Planungsbüro Franzen (Gau-Odernheim) vor einigen Jahren entstand beim Förderverein die Idee zur Errichtung eines Denkmals für die Odenbacher Opfer des Holocausts. Beim Ortsbürgermeister und dem Gemeinderat stieß diese Idee schon in einem frühen Stadium auf große Zustimmung. Es dauerte zwar noch eine Weile, bis der richtige Künstler gefunden war. Dieser wurde schließlich in dem Steinbildhauer Karl-Heinz May aus Odernheim gefunden, der in Zusammenarbeit mit dem Förderverein die Gedenkstele projektierte und realisierte.

Auf dem sehr ansprechend gestalteten Dorfplatz neben der Synagoge ist ein einladendes Areal geschaffen worden, zum einen als Erholungsfläche, die zum Ausruhen einlädt. Zum andern konnte der Förderverein dort auch die Gedenkstele errichten lassen. Außerdem hat die Ortsgemeinde einige PKW-Stellplätze geschaffen, die vorwiegend für Besucher der Synagoge bereitgehalten werden sollen.

Das Denkmal besteht aus einer Glasscheibe, die in zwei Basaltstelen eingebunden ist. Auf der Glasscheibe sind die Namen der sechsundzwanzig bekannten Odenbacher Holocaust-Opfer angebracht. Die Überschrift lautet: „Ich will ihnen einen Namen geben, der nicht vergehen soll (aus Jes. 56, 5). Auf dem Boden liegen vier Basalttafeln. Der Betrachter soll sich bücken, um sie zu lesen: Entwürdigt - Entrechtet – Deportiert – Ermordet.

Zur Enthüllung der Gedenkstele sowie der Übergabe des Synagogenplatzes an die Bevölkerung hatten der Förderverein und die Ortsgemeinde Odenbach für den 30. Oktober 2016 zu einer Eröffnungsveranstaltung eingeladen. Zunächst in der Kirche begrüßte die Vorsitzende des Fördervereins, Frau Ursula Woehl die zahlreichen Festgäste. Für sie ist die Gedenkstele auch eine Mahnung, verbunden mit dem Wunsch: „Lernt aus der Vergangenheit für die Zukunft!“ Ein Bericht über die Geschichte der Juden in Odenbach schloss sich an, gehalten von der Historikerin Eva Kappesser. Sie erzählte von dem wechselhaften jüdischen Leben in Odenbach, das schon seit 1650 entstand und große örtliche Bedeutung erlangte.

Landrat Dr. Hirschberger (Landkreis Kusel) ging ein auf die Impulse jüdischer Menschen in der Region. Er verwies auf Elias Grünenbaum aus Reipoltskirchen (ein Ort nahe Odenbach), ein Rabbi, dessen im Jahr 1807 entstandenen Leitsätze für das jüdische Leben weltweite Bedeutung erlangten.

Der Erste Beigeordnete der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein, Andreas Müller mahnte, dass auch in heutiger Zeit Wachsamkeit herrschen müsse, da immer wieder Kräfte am Werk seien, die unsere Demokratie bedrohten.

Bürgermeister Gerhard Gins (Odenbach) freute sich, dass die Gemeinde nun einen Platz in der Dorfmitte hat, der nicht nur zum Verweilen einlädt, sondern mit der Gedenkstele zum Nachdenken anregt.

Die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Kaiserslautern Dr. Larissa Janzewitsch sprach davon, dass jetzt ein Mahnmal entstanden sei, das als Gedenkstätte dienen könne für die im Holocaust umgekommenen jüdischen Bürgerinnen und Bürger Odenbachs.

Anschließend versammelten sich die weit über einhundert Teilnehmenden vor der noch verhüllten Gedenkstele auf dem Platz neben der Synagoge. Sehr ergreifend die Melodien des Saxophonspielers und die Psalmworte des Pfarrers. Nach der Enthüllung folgte das Kaddisch-Gebet, ein jüdisches Totengebet, ein sehr altes aber auch sehr wichtiges Gebet im Leben von Juden. Mit bewegenden Worten erinnerte Monique Sauter an das Leben ihres Großvaters, wie er die Synagoge besuchte, wie er jüdische Feste feierte und welche Empfindungen er beim Besuch der Synagoge gehabt haben möge und der emigrieren musste. Die neunundachtzigjährige Stella Löb, im Jahr 1937 in die USA emigriert, erzählte von einem Besuch in der Synagoge, seinerzeit als neunjähriges Mädchen vor ihrer Ausreise in die USA. Überlebende Verwandte der auf der Gedenkstele genannten Holocaust Opfer ehrten die gestorbenen Vorfahren und entzündeten Yahrzeit-Kerzen.

 

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