Kultur- und Heimatverein Niederzissen e.V.
Richard Keuler, 1. Vorsitzender
Bächelsberg 49
56651 Niederzissen
 
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Web: www.ehem-synagoge-niederzissen.de
Tel.: 02636-6482
Fax:
 

 

 

Kultur- und Heimatverein Niederzissen e.V.
Ehemalige Synagoge Niederzissen - Jüdisches Museum Niederzissen - Jüdischer Friedhof Niederzissen

Am 9. November 2009 beschloss der Gemeinderat Niederzissen mit finanzieller Unterstützung durch die rheinland-pfälzische Landeskulturstiftung den Ankauf der ehemaligen Synagoge, um darin eine Erinnerungs- und Begegnungsstätte einzurichten.
Nach Bewilligung erheblicher Zuwendungen des Landes Rheinland-Pfalz aus Mitteln der Dorferneuerung du der Denkmalpflege, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Zusage des örtlichen Kultur- und Heimatvereins, Eigenleistungen in beachtlichem Ausmaß zu erbringen, begannen die Renovierungs- und Umbauarbeiten im Frühjahr 2011 und endeten mit der Eröffnungsveranstaltung am 18. März 2012.
Seitdem hat der Kultur- und Heimatverein Niederzissen e.V. durch vertragliche Regelung mit der Gemeinde die Betriebsführung inne.
Damit steht das 1938 durch die Nationalsozialisten geschändete, entweihte und danach über 70 Jahre als Schmiede genutzte Gebäude, wieder der Öffentlichkeit offen.
Der ehemalige Synagogenraum wird insbesondere für kulturelle Veranstaltungen, wie Lesungen, Konzerte, Ausstellungen genutzt. Auch kann er für Veranstaltungen angemietet werden.
Heute ist die ehem. Synagoge, Dank der Arbeit des Kultur- und Heimatvereins, ein Haus der Kultur und herausragender Lernort für Geschichte, was schon viele Schülerinnen und Schüler hier erfahren haben. Die Zusammenarbeit mit Schulen jederart und Einrichtungen der Jugendarbeit ist ein wesentlicher Zweck dieses Hauses.


Jüdisches Museum

Im angrenzenden ehem. Werkstattanbau befindet sich das jüdische Museum mit einer ständigen Ausstellung zur Geschichte des Synagogengebäudes, des jüdischen Lebens einst und jetzt, sowie des Gedenkens der aus der ehem. Synagogengemeinde deportierten Juden. Anhand der im Mittelpunkt der Ausstellung stehenden Niederzissener Genisafunde wird das vergangene jüdische Leben mit seinem typischen Lokalkolorit erzählt. Die Genisa-Objekte befinden sich in allen Themeneinheiten. Eine Installation mit ungezählten Schriftfragmenten an der Decke des Ausstellungsraumes verdeutlicht, wie umfangreich und unsortiert der Fund auf dem Dachboden war.
Für die Ausstellung ist bewusst der Titel „Tagein tagaus“ gewählt, da die ausgestellten Objekte dem Alltag der Juden in Niederzissen entstammen und jüdischer Alltag bis heute durch eigene Bräuche und Festtage geprägt ist. Sie ist unterteilt in die Einleitung „Auf Jahr und Tag“ und die fünf Themeneinheiten „Alltag“, „Werktag“, „Festtag/Gedenktag“, „Anderntags“ und „Heutzutage“. Die Titel sind dem gängigen Sprachgebrauch entnommen, um jüdisches Alltagsleben als selbstverständliche Teilhabe darzustellen.


Auf Jahr und Tag:
Auf den Wandtafeln ist die Geschichte der Synagoge bis zur Einweihung als Erinnerungs und Begegnungsstätte am 18. März 2012 dargestellt. Eine fortlaufende Bildershow zeigt die Renovierungsarbeiten und die Bergung der Funde vom Dachboden.

Alltag:
Der Themenbereich zeigt mittels historischer und moderner Objekte Facetten jüdischen Alltags, die damals wie heute Ausdruck gelebten Judentums sind. Der Ausstellungsbereich befasst sich mit den Lebensfesten, Glaube und Aberglaube, den Reinheitsgeboten und koscherem Essen. Das alltägliche Eingebunden sein der Juden ins soziale Leben, wie die Mitwirkung in Vereinen, findet hier ebenfalls Eingang. An dieser Stelle wird auch die nationalistische und patriotische Einstellung der Niederzissener Juden im Rahmen ihres Militärdienstes beleuchtet.

Werktag:
Dieser Bereich widmet sich den Tätigkeitsfeldern der Juden in Niederzissen und im Brohltal.

 


Festtag/Gedenktag/Todestag:


Das jüdische Jahr wird anhand eines jüdischen Kalenders, dem der gregorianische Kalender hinterlegt ist, begreifbar gemacht. Er ist überall dort abgebildet, wo es um die zeitliche Verankerung eines Fest- oder Gedenktages geht. Dabei ist der jeweilige Tag farblich hervorgehoben, auf den sich die Objekte in den Vitrinen beziehen. Basis des Judentums sowie der Fest- und Gedenktage ist die Tora, die Fünf Bücher Moses. Aus diesem Grunde bildet die Tora in dieser Einheit das optische Zentrum. Ein glücklicher Zufall ist es, dass hier ein Tora-Fragment aus der Genisa gezeigt werden kann.


Anderntags:


Die Zeit des Nationalsozialismus umfasst die Aspekte Ausgrenzung, Verfolgung und Erinnerung. Neben Kopien von Originaldokumenten aus dem Kreisarchiv über Einzelschicksale, gibt ein Gedenkbuch Auskunft, das im jüdischen Kontext Memorbuch genannt wird. In diesem Memorbuch sind im Sinne des jüdischen Gedenkens an Verstorbene die Namen und Lebensdaten aller ermordeten und deportierten Juden des Brohltals aufgelistet.
Eine beleuchtete Stellwand zeigt Bilder ehemals jüdischer Mitbürger, deren Lebensweg und Schicksal.

Heutzutage:
Der letzte Themenbereich widmet sich dem heutigen jüdischen Leben in den zu Niederzissen nächstgelegenen Städten. In Form einer weiteren Bildershow wird hier die Lebendigkeit jüdischen Lebens in der Synagogengemeinde Köln vermittelt. Dieser Ausblick bildet das Ende der Ausstellung, die noch um eine geplante Hörstation erweitert wird.

Öffnungszeiten:

2018: Dezember bis März geschlossen (Führungen sind jedoch möglich)

Ab April 2019 ist die ehem. Synagoge an folgenden Sonntagen von 14.00 bis 16.00 Uhr zur Besichtigung geöffnet: 14.04., 19.05. (Tag der offenen Museen, geöffnet 13.00-18.00 Uhr), 02.06., 07.07., 18.08., 08.09. (Tag des offenen Denkmals, geöffnet 13.00-18.00 Uhr, Führungen 14.00 und 16.00 Uhr), 13.10. und 17.11.

Dezember bis März geschlossen (Führungen sind jedoch möglich).

Termine für Führungen, individuelle und spontane Besichtigungen, auch in den Wintermonaten, nach Vereinbarung, unter Telefon Kultur- und Heimatverein Niederzissen e.V.: 02636-6482, 0172-9744611 oder Kontaktaufnahme unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Tourist-Information Vulkanregion Laacher See, Kapellenstr. 12, 56651 Niederzissen, Tel.: 02636-19433 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Jüdischer Friedhof

„Seit undenklichen Zeiten …“, so nannte es 1829 der Vorsteher der jüdischen Gemeinde, ist hier der Begräbnisplatz der Juden aus den zu der Synagoge gehörenden Orten. Bereits 1763 wird in einer Urkunde erwähnt, dass auf diesem Gelände die Toten jüdischen Glaubens aus den Herrschaften der Olbrück, Kempenich, Burgbrohl und Bürresheim begraben wurden.
Das waren die Juden aus den Dörfern: Burgbrohl, Galenberg, Glees, Hain, Kempenich, Lederbach, Oberzissen, Niederdürenbach, Niederzissen, Rieden, Spessart, Weiler, Volkesfeld und Wehr, das zum Kloster Steinfeld gehörte. Für jede Beerdigung mussten an die Olbrücker Herrschaften Gebühren entrichtet werden. Allein von 1809 bis 820 wurden in Niederzissen 53 Verstorbene begraben.
Auf der ersten Flurkarte von 1828 wurde im Gemeindewald von Niederzissen „ober dem Judenkirchhof“ (Flurbezeichnung) eine Fläche von 1 Morgen als Judenfriedhof eingezeichnet und wieder berichtigt. Erst 1852, nach langem Streit zwischen der Gemeinde Niederzissen und der Judenschaft, erwarb die Synagogengemeinde Niederzissen das Grundstück „Judenkirchhof“ mit einer Größe von 2641 qm.
Auf diesem Friedhof waren über 500 Gräber. Während der NS-Zeit wurde der Friedhof geschändet. Das große, kunstvolle Eisentor am Eingang an der Straße war 1939 schon nicht mehr vorhanden. Die Grabsteine wurden demoliert und die Platten zerschlagen. Ende Juli 1942, der Deportation der letzten jüdischen Einwohner, wurde auf diesem Friedhof die letzte Tote beerdigt.
Im Januar 1956 erwarb die Gemeinde den Friedhof von der Bonner Siedlungsgesellschaft, in deren Eigentum er sich seit der Enteignung 1940 befand.
Der Friedhof umfasst 92 Grabsteine und 2 Gedenksteine und viele Originalgräber.

Der Kultur- und Heimatverein Niederzissen e.V. hat 2007 durch Vereinbarung mit der Gemeinde Niederzissen die Pflege des jüdischen Friedhofs übernommen und nimmt sie bis heute wahr.

 

Publikationen des Kultur- und Heimatvereins Niederzissen e.V.

2012 Gerd Friedt / Brunhilde Stürmer: Seit undenklichen Zeiten … Der jüdische Friedhof in Niederzissen

2012 Falk Wiesemann: Zeugnisse jüdischen Lebens in Niederzissen – Genisa-Funde in der ehemaligen Synagoge

2017 Brunhilde Stürmer /  Brigitte Decker: Ein langer Weg – Die Geschichte der jüdischen Familien der Synagogengemeinde Niederzissen im Brohltal.

2017 Brunhilde Stürmer / Brigitte Decker: The Long Way – The History of the Jewish Families of the Synagogue Congregation of Niederzissen in Brohl Valley

2018 Anne Wagner: Jüdisches Leben in Niederzissen – Eine Untersuchung soziökonomischer Entwicklungen im Kontext von jüdischer Emanzipation und Industrialisierung

 

Alle Publikationen sind beim Kultur- und Heimatverein Niederzissen e.V. unter Tel. 02636-6482 oder

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zu beziehen.

 

 

 

 



























 

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