Verband Deutscher Sinti und Roma - Landesverband Rheinland-Pfalz

Schlossstr. 4

76829 Landau

 

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Web: http://www.vdsr-rlp.de/

Tel.: 06341/85053

 

Verband Deutscher Sinti und Roma - Landesverband Rheinland-Pfalz

Allgemeine Information:

Der Verband Deutscher Sinti und Roma - Landesverband Rheinland-Pfalz- vertritt seit seiner Gründung im Jahr 1983 die Interessen der etwa 8.000 in Rheinland-Pfalz lebenden Sinti und Roma. Er setzt sich für die gesellschaftliche Gleichbehandlung und Wahrung der kulturellen Eigenständigkeit der Sinti und Roma ein. Schutz und Förderung ihrer Kultur sollen garantiert, der inzwischen gesetzlich verankerte Minderheitenschutz gewährleistet werden.

Die Arbeitsschwerpunkte lassen sich in Kürze folgendermaßen benennen:

Bürgerrechtliche und soziale Beratung

Entschädigungsarbeit

Politische Vertretung hinsichtlich Minderheitenschutz, Rassismus und Diskriminierung

Öffentlichkeitsarbeit in den Bereichen der Gedenkarbeit, Informations- und Kultur-veranstaltungen

Historische Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verfolgung der Sinti und Roma.

 

Gedenkarbeit:

Der Verband organisiert in Zusammenarbeit mit den unterschiedlichsten Kooperationspartnern (Schulen, Kommunen, Städten) Gedenk- und Informationsveranstaltungen in Rheinland-Pfalz und bietet die Möglichkeit der vertiefenden Bildungsarbeit zum nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma sowie zu den heutigen Lebensbedingungen als Minderheit in der Mehrheitsgesellschaft für Schulen an.

In verschiedenen rheinland-pfälzischen Städten hat der Landesverband Gedenkorte initiiert. In Ludwigshafen erinnert eine Sandstein-Stele am Rathausplatz an die erste familienweise Deportation der südwest-deutschen Sinti am 16. Mai 1940. Der Standtort der Stele ist ein historischer: Am früheren Hauptbahnhof stiegen die Sinti aus der Pfalz in den aus Mainz kommenden Zug. Am Mahnmal für die Opfer des Faschismus am Lutherplatz in Worms wurde eine Tafel für die 80 aus Worms deportierten Sinti angebracht. In Koblenz erinnert ein beschrifteter großer Flusskiesel am Peter-Altmeier-Ufer in der Höhe Kastorstraße an die vielen verfolgten und deportierten Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Am Frank-Loebschen-Haus in Landau wurde eine Gedenktafel angebracht. Im Foyer des katholischen Kinderheims Nardinihaus in Pirmasens erinnert eine Bronzetafel an zwei Sinti-Kinder, die während des Nationalsozialismus sieben Jahre dort lebten. Die Eltern der Kinder waren in Konzentrations- und Zwangsarbeitslager verschleppt worden. 1943 wurden die Kinder aus rassischen Gründen in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und ebenso wie ihre Eltern ermordet. Im Rahmen des Gedenkprojektes der Stadt Pirmasens wurde ebenfalls für die Kinder am Gebäude des Pfalzklinikums in der Klosterstraße 1a eine Tafel angebracht, die mit einem QR-Code zu detaillierten Informationen im Internet leitet. Mit einer Stelenreihe am Bischof-Stein-Platz erinnert die Stadt Trier an die deportierten und ermordeten Sinti und Roma. Zwei der Stelen sind mit einem QR-Code versehen. Die Mainzer Bürgerin Hildegard Coester und die Mitglieder des Ortsbeirats Mainz-Altstadt haben zur Erinnerung an die während der NS-Zeit ins Konzentrationslager deportierten und ermordeten Mainzer Sinti und Roma die Aufstellung einer Gedenktafel initiiert und finanziert. Sie befindet sich in der Altenauergasse 7-9 (ehemals Birnbaumsgasse) in Mainz.

Ausstellungen:

Sinti und Roma-Aus der Mitte der Gesellschaft-In der Mitte der Gesellschaft? / Frank-Loebsches-Haus in Landau/Pfalz

Sinti und Roma leben seit Jahrhunderten in allen Ländern Europas. In ihren Heimatländern bilden sie historisch gewachsene Minderheiten. Die deutschen Sinti und Roma sind seit über 600 Jahren hier beheimatet und bilden eine anerkannte nationale Minderheit. Die Ausstellung zeigt die Geschichte der Minderheit über die Verfolgung durch die Nationalsozialisten bis heute. Seit Januar 2020 ist im Gedenk- und Begegnungshaus der Stadt Landau, dem Frank-Loebschen-Haus, die vom rheinland-pfälzischen Landesverband erarbeitete Ausstellung zu sehen. In den 1990iger Jahren hatte der Landesverband die bundesweit erste Ausstellung zum Thema „Die Überlebenden sind die Ausnahme. Der Völkermord an den Sinti und Roma“ für das Frank-Loebsche-Haus entwickelt.

Als Wohnhaus des Urgroßvaters von Anne Frank ist die Nutzung der Begegnung, Kommunikation und Verständigung gewidmet. Neben den ständigen Ausstellungen „Geschichte der Landauer Juden“ und „Sinti und Roma-Aus der Mitte der Gesellschaft-In der Mitte der Gesellschaft?“ werden wechselnde Ausstellungen in den Bereichen regionaler Kunst und Kulturgeschichte organisiert. Lesungen, Vorträge und Konzerte ergänzen das Angebot

Informationen zur Ausstellung, Adresse, Öffnungszeiten und Führungen:

http://vdsr-rlp.de/arbeitsbereiche/ausstellung-in-landau/

 

Der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma / Heidelberg

Im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma befindet sich eine weltweit einzigartige Dauerausstellung über die Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma zwischen 1933 und 1945. Ausgehend von konkreten Einzelschicksalen zeigt sie die Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten gegenüber der Minderheit auf: von der schrittweisen Entrechtung, über die Deportationen bis hin zum systematisch vollzogenen Völkermord. Dabei werden die Dokumente der Täter den Zeugnissen ihrer Opfer gegenüberübergestellt.

Die Ausstellung ist ein europaweit bedeutendes Museum zur Zeitgeschichte und ein singulärer Ort historischer Erinnerung. Zur vertiefenden inhaltlichen Auseinandersetzung bietet das Zentrum u.a. Führungen, Workshops und Weiterbildungen an. Weitere Informationen:

https://dokuzentrum.sintiundroma.de/vermittlung/workshops-und-fuehrungen/

 

Rassendiagnose: „Zigeuner“ / Transportable Ausstellung

Die vom Heidelberger Dokumentations- und Kulturzentrum erarbeitete Ausstellung kann in deutsch- oder englischsprachiger Version entliehen werden. Einleitend erläutert sie zentrale Begriffe („Zigeuner“, Sinti, Roma) und stellt die Rolle populärer „Zigeuner“-Bilder und die Mechanismen der Stereotypisierung dar, um tief verwurzelte Vorurteilsmuster aufzuzeigen. Der Hauptteil der Ausstellung dokumentiert die Verfolgung der Sinti und Roma in der NS-Zeit und macht den Genozid in seinen wesentlichen Entwicklungslinien und in seiner europäischen Dimension erkennbar. Der letzte Teil nimmt die Geschichte der Überlebenden im Nachkriegsdeutschland in den Blick, die von Politik und Gesellschaft erst sehr spät als NS-Opfer anerkannt wurden, und schreibt die Geschichte bis in die Gegenwart fort. Die ideologischen und personellen Kontinuitäten aus der Zeit des Nationalsozialismus wurden erst durch die Bürgerrechtsbewegung der deutschen Sinti und Roma in mühsamen politischen Auseinandersetzungen schrittweise überwunden, wenngleich die Nachwirkungen bis heute spürbar sind. Am Ende steht ein Ausblick auf die Menschenrechtssituation der Sinti- und Roma-Minderheiten in Europa nach 1989.

Weitere Informationen:

https://dokuzentrum.sintiundroma.de/vermittlung/ausstellungen/transportable-ausstellung/

 

www.sintiundroma.org / Onlineangebot

Die Internetseite dokumentiert die Inhalte der transportablen Ausstellung und ergänzt sie um zahlreiche Videos, Fotos und Dokumente. Das Angebot richtet sich bewusst an ein breites Publikum und stellt der schulischen wie auch außerschulischen historisch-politischen Bildungsarbeit ein Werkzeug zur Verfügung, um die Geschichte des Völkermords an den Sinti und Roma zu vermitteln. Ab Herbst 2020 stehen im Rahmen einer Publikation der Bundeszentrale für politische Bildung Materialien für eine Arbeit mit der Internetseite unter dem Titel „Gekonnt handeln: Kritische Auseinandersetzung mit Antiziganismus“ als Print- und Online-Material zur Verfügung.

www.bilden-begegnen-bewegen.de / Onlineangebot

Das Bildungsportal mit den drei Säulen Bilden – Begegnen – Bewegen bündelt und vernetzt alte und neue Internetangebote des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma. Es versteht sich als Lern- und Informationsplattform in fortlaufender Entwicklung. Hier finden Sie Übersichten von Gedenkorten ebenso wie von bundesweiten Bildungsangeboten zur Geschichte der Sinti und Roma und zur Auseinandersetzung mit dem Antiziganismus.

 

Gedenktage:

Neben dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus begeht der Verband die folgenden Tage, da sie innerhalb der nationalsozialistischen Verfolgung besondere Einschnitte für die Angehörigen der Minderheit darstellten:

16./17. Mai 1940: Erste familienweise Deportation von Sinti und Roma.


In Rheinland-Pfalz wurden die Sinti-Familien am 16. und 17. Mai 1940 in die speziellen „Sammellager“ Hohenasperg (Baden-Württemberg) und Köln (Messehallen) verschleppt. Ein weiteres „Sammellager“ existierte in Hamburg. Von dort wurden aus den süd- und nordwestlichen Gebieten Deutschlands insgesamt 2.800 Sinti und Roma in das „Generalgouvernement“ deportiert. Es war die erste große Deportation ganzer Familien aus dem Reichsgebiet überhaupt, welche zugleich als „Modellversuch“ für die geplante Verschleppung aller Sinti und Roma sowie der Juden in die besetzten Gebiete des Ostens diente.


2. August 1944: Auflösung des Lagerabschnitts B II e („Zigeunerlager) in
Auschwitz -Birkenau


Der erste Versuch der SS, am 16. Mai 1944 das sogenannte „Zigeunerlager“ „aufzulösen“, d.h. alle Insassen in den Gaskammern zu ermorden, scheiterte am Widerstand der sich mit Spaten und Knüppeln bewaffnenden Männer. Nachdem die SS alle „Arbeitsfähigen“ als Arbeitssklaven nach Buchenwald, Mittelbau-Dora, Flossenbürg und Ravensbrück „überstellt“ hatte, wurde das „Zigeunerlager“ in der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 „liquidiert“: Die noch im Lager verbliebenen über 4.000 Sinti und Roma - vor allem alte Menschen, Frauen und Kinder - wurden in den Gaskammern ermordet. Während der 17 Monate, in denen das „Zigeunerlager“ in Auschwitz-Birkenau bestand, wurden von den fast 23 000 Sinti und Roma, die aus nahezu allen von den Nationalsozialisten besetzten Ländern Europas nach Auschwitz deportiert worden waren, über 18 000 ermordet.

16. Dezember 1942: „Auschwitz-Erlass“

Am 16. Dezember 1942 unterzeichnete Himmler als sogenannter „Reichsführer SS“ und Leiter des Reichsicherheitshauptamtes den „Auschwitz-Erlass“. In seiner Folge wurden über 22 000 Sinti und Roma aus elf Ländern Europas, 10 000 stammten aus dem Reichsgebiet, in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Als im Februar 1943 der erste Transport von Sinti und Roma in dem Vernichtungslager ankam, wurden die Männer, Frauen und Kinder in den Abschnitt B IIe, das sogenannte „Zigeunerlager“, eingewiesen. Dieser Lagerabschnitt, gelegen an der berüchtigten Rampe, auf der die Selektionen stattfanden und in unmittelbarer Nähe der Krematorien, war erst Ende 1942 angelegt worden. Es gab kein Wasser und keine Kanalisation. Dort herrschte selbst für die Verhältnisse in einem Konzentrationslager eine extrem hohe Sterblichkeit.

 

 

 

 

 
 

 

 

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