Förderkreis Synagoge Laufersweiler e.V
Christof Pies, Vorsitzender
Hasselbacher Str. 16
56288 Kastellaun
 
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Tel.:06762 5269
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Förderkreis Synagoge Laufersweiler e.V.

 

1. „Wie fein sind deine Zelte Jakob...“ – die Synagoge Laufersweiler

Eine erste Synagoge in Laufersweiler ist bereits in Berichten aus dem Jahre 1840 nachweisbar, die allerdings einem Brand zum Opfer fiel. Ein Nachfolgebau (1844) mit etwa 150 Sitzplätzen entsprach zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht mehr den Erfordernissen einer größer werdenden jüdischen Gemeinde, so dass man eine neue Synagoge errichtete. Diese wurde in unmittelbarer Nachbarschaft zur katholischen Kirche am 1. und 2. Juni 1911 eingeweiht. Der repräsentative Bau mit historistischen und maurischen Stilelementen entspricht dem zur damaligen Zeit herrschenden Selbstverständnis des Judentums.
Während der Pogrome am 9. und 10. 11.1938 wurde die Synagoge innen völlig verwüstet, das Gebäude blieb jedoch wegen der Brandgefahr für die umliegenden Gebäude erhalten.
Das Schicksal des Gebäudes nach dem Nationalsozialismus ist typisch für die Art und Weise des Umgangs mit dem deutsch-jüdischen Erbe: Lange Jahre ungenutzt und vom Verfall bedroht, erwarb die Zivilgemeinde im Jahre 1955 das Gebäude, beseitigte die Frauenemporen mit einer eingezogenen Zwischendecke und nahm vielfältige Änderungen der Architektur vor. Im Erdgeschoss errichtete man ein Gefrieranlage und eine gemeindeeigene Wäscherei. Im Obergeschoss fand zunächst Schulunterricht statt, danach wurde und wird bis heute der neu geschaffene Raum für die Katholische Kirchengemeinde gebutzt.
Erst zu Beginn der 1980er Jahre wurde der sich verschlechternde Zustand des Gebäudes weder eine öffentliche Angelegenheit. Dem damaligen Ortsbürgermeister Ochs ist es zu verdanken, dass die Synagoge nicht abgerissen, sondern als Denkmal erhalten werden konnte. Bis 1988 fanden umfangreiche Bauarbeiten statt, die vom Enkel des Erbauers Nikolaus Elz aus Hirschfeld geleitet wurden. Am 31.1.1988 fand die Eröffnungsfeier in dem neu gestalteten Gedenkraum statt. Das Bronzerelief des international bekannten Künstlers Karl Heinz Brust (Idar-Oberstein) in der ehemaligen Thoranische ist das eindrucksvollste Merkmal des neuen Gedenkraums. Im Jahre 2001 mussten abermals umfangreiche Restaurierungsarbeiten durchgeführt werden, so dass heute einige der ursprünglichen Architekturmerkmale wiederhergestellt sind, so die Rundbogeninschrift über dem Portal: „Wie fein sind deine Zelte Jakob und deine Wohnung Israel.“
Die Synagoge ist heute die einzige noch als solche erkennbare Synagoge im Rhein-Hunsrück-Kreis und steht unter Denkmalschutz.

Die Synagoge Lauferweiler (heutiger Zustand)


2. Der „Förderkreis Synagoge Laufersweiler“

Der Förderkreis begann seine Arbeit parallel zu den ersten Restaurierungsarbeiten im Jahre 1987. Die Dauerausstellung „Sie gehörten zu uns“ dokumentiert die wechselhafte Geschichte der Juden in Laufersweiler und in einigen Orten des Hunsrücks.
Der Förderkreis Synagoge Laufersweiler e.V. hat sich in seiner Satzung aus dem Jahre 1989 zur Aufgabe gemacht, die ehemalige Synagoge Laufersweiler im Hunsrück zu einem Ort der Besinnung und Erinnerung zu machen. Auszug aus der Satzung:

„Die Gedenkstätte „Synagoge Laufersweiler“ soll auch Ort der Begegnung und des Austausches sein. Er setzt sich damit für Toleranz und Völkerverständigung ein und ruft zur Menschlichkeit und zur Verantwortung auf“.
Im Sinne der Satzung veranstaltet der Förderverein seit seiner Gründung in Zusammenarbeit mit vielen Kooperationspartnern Lesungen, Fortbildungsmaßnahmen, Konzerte, Vorträge, Fahrten, Begegnungen
und Kunstausstellungen.
Darüber hinaus führt er Bildungsreisen zu Gedenkstätten (z. B. KZ Hinzert, Auschwitz) durch, aber auch nach Israel und Palästina.

In den letzten Jahren wurden mehrere Jugend- begegnungen in Israel, Palästina und Deutschland durchgeführt, die Muslime, Christen und Juden zusammen führten.
So organisierte der Verein im Jahre 2008 eine Konzertreise des bekannten Jugendchores „No Limits“ mit Unterstützung des Goethe-Instituts nach Israel und Palästina.
In den Jahren 20010/2011 wird mit Hilfe des Leo Baeck Programms das bisher gesammelte Material inventarisiert und so aufgearbeitet, dass es für Schulen, Jugendgruppen und Besucher nutzbar wird. Zudem werden Rundgänge durch einige Orte des Hunsrücks unter dem Motto „Auf jüdischen Spuren“ erstellt und ein Dokumentationszentrum zur Erforschung der jüdischen Geschichte in Kastellaun errichtet.
Im Verein sind nur ehrenamtlich tätige Vereinsmitglieder engagiert, die seit Jahren viel Zeit in die Erhaltung und Ausgestaltung der Synagoge und Aktivitäten im Sinne der Satzung investieren.
Dadurch ist ein besonderer Lern- und Gedenkort entstanden, der jedoch immer weiter entwickelt werden muss.
Die Synagoge Laufersweiler ist die einzige im Rhein-Hunsrück-Kreis, die noch als solche erkennbar ist und der Verein die einzige Institution, die die Erinnerung an jüdisches Leben auf dem Hunsrück aufrecht erhält.
Ohne das Engagement des seit 1989 bestehenden Vereins wäre auch diese letzte Synagoge abgerissen worden, es hätte in den letzten 20 Jahren keine Heimatbesuche, Erinnerungsarbeit, Gedenksteine, Stolpersteine oder Gedenkfeiern gegeben.
Die Synagoge und ihr Verein sind so zur einzigen Anlaufstelle für jüdisches Leben auf dem Hunsrück geworden.
Jedes Jahr finden in Kooperation mit verschiedenen Partnern „Jüdische Wochen“ statt, die historische, künstlerische, aber auch gegenwärtige Themen und Problemkreise zum Inhalt haben.

 

 

Beispiele für die Jahre ab 2008

  • Vorträge von Prof. Dr. Trepp (Mainz, USA) zu verschiedenen Themen des Judentums und der Erinnerungsarbeit

  • Vortrag René Richtscheid (Emil-Frank-Institut, Wittlich): Juden in der Region Kirchberg zur Zeit der Sponheimer

  • Enthüllung des Gedenkortes neben der Synagoge:„Gelebtes Leben – geraubtes Leben“ (Kunstprojekt der Künstlerin Jutta Christ)

  • Lesung Christian Hartung (Kirchberg): Wohl denen, die da wandeln (Kriminalroman)

  • Lesung mit Lena Gorelik: Hochzeit in Jerusalem

  • Filme im Prowinzkino: Lemon Tree, Die syrische Braut u.a.

  • Vortrag mit Rev. Schihadeh, Beit Jala (Palästina): Der Friedensprozess im Nahen Osten aus christlich-palästinensischer Sicht

  • Matinee und Film: Ich habe euch nicht vergessen - Simon Wiesenthals Leben und Vermächtnis

  • Vortrag Dr. Baumgarten zum neuen Gedenkbuch des Bundesarchivs

  • Film im Prowinzkino: Der Junge im gestreiften Pyjama

  • Gedenkfeier zum 9.11.2009 mit dem Chor Frohsinn (Laufersweiler)

  • Uli Holzhausen: Klezmerei – Ein Vortrag in Wort, Bild und Ton

  • Vernissage zur Kunstausstellung „Und ewig kräht der Hahn“ des Künstlers Karl Heinz Brust

  • Lesung mit Wladimir Vertlib

  • Film: Das Herz von Jenin, mit dem Hauptdarsteller Ismael Khatib (Jenin)

  • Studienreisen zu Gedenkstätten: Hinzert (SS-Sonderlager/KZ), Auschwitz, Yad Vashem (Jerusalem)

  • Konzertreise mit Jugendchorchor No Limits nach Israel/Palästina unter dem Motto „Musik verbindet“ in Zusammenarbeit mit Goethe-Institut und Familienministerium, Berlin

  • Austauschmaßnahmen Israel-Deutschland-Palästina

  • Aufnahme in das Leo Baeck Programm mit dem Projekt: Judentum auf dem Lande – Juden im Hunsrück

  • Trilaterales Menschenrechtsprojekt Mit israelischen, deutschen und palästinensischen Jugendlichen, Publikationen im Internet und Buchform

  • Jährliche „Jüdische Wochen“ im Herbst: Vorträge, Ausstellungen, Lesungen, Konzerte, Filmwochen

  • Projektkooperationen mit Schulen der Region: Filmprojekte, Zeitzeugeninterviews, Tages- und Wochenprojekte, Kunstprojekte, jährliche Fahrten nach Auschwitz/Krakau

  • Eröffnung des Pfades der jüdischen Lyrik (2011)

  • Eröffnung des Forst-Mayer Studien- und Begegnungszentrums für das Landjudentum Das Erinnerungsensemble aus Synagoge, künstlerischem Erinnerungsort, Weg der Erinnerung,

  • Jüdischem Friedhof und Lyrikpfad wird ergänzt durch einen Raum mit modernsten Medien und Methoden zur Erinnerungsarbeit mit Jugendlichen Geo-Caching, QR-Codes, PC-

  • Präsentationen, Website – gestaltet jeweils mit Jugendgruppen. Partner: EU (Leaderprogramm), Evangelischer Kirchenkreis Simmern-Trarbach, Kulturstiftung der KSK, Lotto-Stiftung, EVZ, LeoBaeck, Andarta, LionsClub, Rotary Club, Möbel Preiss, private Sponsoren aus Deutschland und Australien

  • Integration von Flüchtlingen: Broschüren zur regionalen deutsch-jüdischen Geschichte in Deutsch, Englisch, Arabisch. Fluchtgeschichten, Gedenkstättenbesuche    

  • Kunstprojekt „Kulturbrücke Hunsrück“

  • Ehrenamtliche Betreuung von Besuchergruppen, vornehmlich Jugendgruppen: Quiz zur jüdischen Geschichte von Laufersweiler

  • Erwachsenenstudienreisen nach Israel und Palästina

  • Mithilfe bei Gedenkstättengestaltung (Brodenbach) und Stolpersteinverlegungen (Oberwesel, Pünderich, Kirchberg)

  • Inventarisierung aller jüdischen Friedhöfe im Rhein-Hunsrück-Kreis mit Übersetzung der Grabinschriften.

  • „Das Forst-Mayer Studien- und Begegnungszentrum für das Landjudentum in Laufersweiler

 

Projekt 2012

 

 

Kontakt

Christof Pies, Vorsitzender
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Bild oben:
Bronzerelief des Künstlers Karl Heinz Brust in der Synagoge Laufersweiler.

 

Integrationskurs VHS 2015


 

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