Schalom - Begegnung mit dem Judentum e.V. Idar-Oberstein
Anne Sinclair
Im Erdelsflur 1
55743 Idar-Oberstein
 
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Web:
Tel.: 06781/27518
Fax: 06785/997843
 

 

Der Verein „Schalom – Begegnung mit dem Judentum“ hat sich in den 11 Jahren seines Bestehens durch zahlreiche und vielfältige Aktivitäten in der Stadt Idar-Oberstein und im Landkreis Birkenfeld hervorgetan. Es wurden Veranstaltungen für die Öffentlichkeit durchgeführt, Vorträge und Workshops in Schulen, Ausstellungen, Gedenkveranstaltungen zum 9. November und zum 27. Januar, Besichtigungsfahrten, Treffen von Gesprächskreisen u.a.; mehrmals ist es auch schon zu einem Austausch oder einem Besuchsprogramm mit Jugendlichen aus Israel und Deutschland gekommen.

Von Beginn an hat der Verein eine Bibliothek mit Standardwerken zu dem ganzen Spektrum der Thematik aufgebaut, also zum Thema Judentum allgemein, zu Israel, zur jüdischen Religion und Geschichte, zum Antisemitismus und zum Holocaust, zum Verhältnis von Judentum und Christentum, ja sogar zur Stellung der jüdischen Frau in der Gesellschaft. Zum Bestand gehören zum Beispiel das „Jüdische Lexikon“ von Herlitz und Kirschner und „Der Babylonische Talmud“ in der Übersetzung von Lazarus Goldschmidt. Die Schalom-Bibliothek ist in die Stadtbibliothek Idar-Oberstein integriert und der Öffentlichkeit zugänglich.

In den Räumen des Vereins (Idar-Oberstein, Bahnhofstraße 1) kann eine Ausstellung mit Objekten des Wettbewerbs Mahnmal für die ermordeten Juden Idar-Obersteins besichtigt werden, außerdem Fotografien von ehemaligen Wohn- und Geschäftshäusern jüdischer Besitzer, aufwändige Originalfotografien von Besuchern der Gedenkstätte KZ Auschwitz sowie jüdische Kultgegenstände, eine Möglichkeit z.B. für Schulklassen, sich mit der Thematik näher zu befassen.

Allein im Jahr 2005 wurden zwei große Gedenkveranstaltungen zum 27. Januar – verbunden mit einer kritischen Ausstellung zum Thema Antisemitismus und einer Ausstellung von Schülerarbeiten zum Thema Auschwitz – durchgeführt; die Ausstellung zum Antisemitismus wurde von Hunderten von Schülern aller möglichen Schularten besucht. Des Weiteren gab es noch Veranstaltungen zu geschichtlichen, literarischen und religiösen Themen und weitere Aktivitäten. So waren z.B. Dr. Anton Keim (früherer Kulturreferent der Stadt Mainz) mit einem Referat über die Schum-Städte und Professor Daniel Krochmalnik (Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg) mit einem Vortrag zum Thema „Kabbala“ zu hören.

Im November wurde eine Fahrt zu den jüdischen Stätten Heidelbergs und zum Dokumentationszentrum zur Verfolgung der Sinti und Roma durchgeführt, womit verdeutlicht wurde, dass es dem Verein darum geht, die barbarischen und brutalen, in dieser Art und in diesem Umfang noch nie dagewesenen Verbrechen der Nationalsozialisten umfassend kennen zu lernen. Aus diesem Verständnis heraus hat „Schalom“ z.B. auch über die „Euthanasie“ an behinderten Menschen in der Region „Obere Nahe“ aufgeklärt.

Zu den Referenten der vergangenen Jahre gehörten auch bekannte Persönlichkeiten wie Sally Perel und der Rabbiner Henry G. Brandt, aber auch der im weiteren Umkreis durch sein Engagement bekannt gewordene Auschwitz-Überlebende Alex Deutsch.

Mit seinen Aktivitäten möchte „Schalom“ einen Beitrag zur Kultur des Erinnerns, zur Aufarbeitung der Vergangenheit, zu einem vorurteilsfreien Umgang mit dem Thema Judentum und zu einem besseren Kennenlernen und Verstehen jüdischer Menschen leisten. Dies alles wird getragen durch die freiwillige bzw. ehrenamtliche Mitarbeit der Vorstandmitglieder oder besonders engagierter Mitglieder und Freunde des Vereins.

Der Verein hat zur Zeit etwa 80 Mitglieder. Ehrenmitglied ist der Auschwitz-Überlebende Alex Deutsch, Träger des Bundesverdienstkreuzes und zahlreicher weiterer Ehrungen.

Zum Vorstand gehören:
Robert Strauß (1. Vorsitzender)
Anne Sinclair (2. Vorsitzende)
Regina Hartenberger (Schriftführerin)
Jutta Schreiner (Kassenwartin)
H. Peter Brandt (Beisitzer)
Klaus F. Gerhold (Beisitzer)
Wilhelm Gervers (Beisitzer)
Dieter Hochreuther (Beisitzer)
Liesel Zumbro-Neuberger (Beisitzerin)

Folgende Ziele hat sich der Verein gesetzt:
die Pflege der deutsch-jüdischen Kultur in Vergangenheit und Gegenwart, insbesondere die Pflege von Gedenkstätten und die Dokumentation der jüdischen Geschichte in unserer Region;
die Förderungen von Begegnungen mit früheren jüdischen Mitbürgern;
die Aufnahme von deutsch-israelischen Kontakten, insbesondere die Förderung des Austauschs von Jugendgruppen;
die Durchführung von Veranstaltungen zum besseren Kennenlernen der jüdischen Religion und Kultur;
die Abwehr des Antisemitismus;
die Behandlung des Themas „Judentum“ in Schule und Erwachsenenbildung.

Für dieses Jahr (2006) sind vorgesehen:

ein Konzert mit der Sängerin Esther Lorenz, sie singt hebräische Lieder; am Flügel wird sie begleitet von Peter Kuhz (28.4., 19 Uhr, Evangelische Kirche Baumholder);

eine Fahrt nach Berlin zum Kennenlernen des jüdischen Berlin in Vergangenheit und Gegenwart; dazu folgende Pressemitteilung:

Berlin-Fahrt von „Schalom“ im Mai 2006

Zu einer mehrtägigen Fahrt nach Berlin lädt der Verein „Schalom – Begegnung mit dem Judentum“ alle Mitglieder und auch Nicht-Mitglieder aus unserer Region, die an historischen und kulturellen Themen mit dem Schwerpunkt Judentum interessiert sind, für Ende Mai 2006 ein. Thema soll das Jüdische Berlin in Vergangenheit und Gegenwart sein.
Berlin ist immer ein Zentrum jüdischen Lebens in Deutschland gewesen. Reformen in der jüdischen Religion selbst, aber auch Erneuerungen auf vielen anderen Gebieten, in Kultur und Wissenschaft sind vom jüdischen Berlin oder von Juden in Berlin ausgegangen. Man versteht die Geschichte Berlins und auch Deutschlands anders und in mancher Hinsicht besser, wenn man sich mit dieser Thematik beschäftigt hat.
Vorgesehen sind die Erkundung des Jüdischen Berlin auf Wegen durch die Spandauer Vorstadt (das „jüdische Viertel“), der Besuch der Neuen Synagoge Oranienburger Straße, des alten Friedhofs in der Großen Hamburger Straße und des Jüdischen Gymnasiums; als Alternative wäre der Besuch des späteren Friedhofs Schönhauser Allee denkbar mit seinen zahlreichen berühmten Namen und mit einem Lapidarium, d.h. einem Museum, in dem erhaltene alte Grabsteine des Friedhofs Gr. Hamburger ausgestellt sind. - Weiter steht auf dem Programm das Jüdische Museum mit seiner außergewöhnlichen Innen- und Außenarchitektur, seiner umfassenden Dauerausstellung und den interessanten Sonderausstellungen zu „Jüdischem Leben in Deutschland nach 1945“ und zu Sigmund Freud. Auch die Teilnahme an einem Sabbatgottesdienst ist möglich.
Am nächsten Tag sollen bei einer Stadtrundfahrt nicht nur „Highlights“ der Stadt wie Brandenburger Tor, Reichstag, Unter den Linden, City West, ehemaliger Osten zu sehen sein, sondern es sollen auch jüdische Aspekte wie das Mahnmal für die ermordeten Juden, die Liebermann-Villa am Brandenburger Tor oder das Jüdische Gemeindehaus Fasanenstraße herausgestellt werden. Dabei kann die Präsenz jüdischer Deutscher in Berlin verdeutlicht werden, ihre Identifizierung mit ihrem Land und ihrer Stadt.
Abschließend soll dann auch das „Haus der Wannseekonferenz“ mit seiner neuen Ausstellung besucht werden, bei der es nach der Öffnung der Archive der östlichen Länder Anfang der 90er-Jahre und intensiver wissenschaftlicher Forschung gelungen ist, aufschlussreiche neue Ergebnisse über NS-Täter und ihre Helfer zu präsentieren; es werden aber auch Einzelschicksale von Menschen und ihren Familien gezeigt, die während des Holocaust verfolgt und ermordet wurden.
Zusätzliche freiwillige Angebote bei dieser Berlin-Fahrt sind der Besuch der Oper „La Traviata“ in der Staatsoper Unter den Linden sowie ein Abendessen in dem neuen jüdischen Restaurant Kadima.
Für die Betreuung der Reisegruppe hat „Schalom“ mit Alexander Green, einem jungen Historiker (Jahrgang 1971) und Mitglied der Jüdischen Gemeinde Berlin, einen wirklich geeigneten, kompetenten Reiseführer gefunden. Er stand vor einigen Monaten Idar-Obersteiner Oberstufenschülern bei einer Berlinfahrt im Jüdischen Museum zur Verfügung und überzeugte durch seine Art, kenntnisreich und doch auch sehr verständlich historisches und jüdisches Wissen zu vermitteln. Dieser jüdische Reiseführer wird der Gruppe die ganze Zeit zur Verfügung stehen, sodass man sich auf ein eindrucksvolles und authentisches Besuchsprogramm freuen kann.
Die Kosten für Busfahrt, Übernachtung, Frühstück in einem Mittelklassehotel, Führungen, Eintritt (nicht für La Traviata), Busfahrten in Berlin liegen, abhängig von der Teilnehmerzahl, bei etwa 210 bzw. 250 € pro Person im Doppelzimmer (Zuschlag bei Einzelzimmer).
Beginn der Fahrt: Donnerstag, den 25.5.06 (Christi Himmelfahrt) 7 Uhr, Rückkehr: Sonntag, den 28.5.06, gegen Abend.
Anmeldungen sind ab sofort möglich unter tel.: 06781/27518 bzw. 06785/7155. Anmeldeschluss: Dienstag, der 18.4.06Robert Strauß
Gedenkveranstaltung zum 9. November

Außerdem findet an jedem ersten Samstag des Monats das Treffen „Kennenlernen der Tora – die ethischen Werte des Judentums“ statt, also an folgenden Tagen: 4.2., 4.3., 1.4., 6.5., 3.6., 1.7., 5.8., 2.9., 7.10., 4.11., 2.12. 2006, und zwar immer um 10,30 Uhr in den Schalom-Räumen, Idar-Oberstein, Bahnhofstraße 1. Anmeldung unter Tel.-Nr. 06785/7155.

Zur Zeit bemüht sich der Verein um den Erhalt der ehemaligen jüdischen Friedhofshalle in Idar-Oberstein, eines architektonisch interessanten achteckigen Baus aus der Zeit um die Wende zum 20. Jahrhundert, der von historischer Bedeutung ist. Das Gebäude wurde nach dem Krieg verkauft, diente jahrzehntelang als Kfz-Werkstätte und steht nun zum Verkauf (Abriss?) an.

Bei der Jahreshauptversammlung am 21.2.06 hat der 1. Vorsitzende Robert Strauß folgenden Rechenschaftsbericht vorgelegt:


Sehr geehrte Mitglieder von „Schalom“,

im Laufe des vergangenen Vereinsjahres hat der Vorstand erneut nach besten Kräften versucht, die Ziele des Vereins zu verwirklichen.


1. Veranstaltungen

Eine Reihe von Veranstaltungen wurden durchgeführt, und zwar in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen oder auch allein und in eigener Regie:
Am 31.05.2005 hielt der Historiker und ehemalige Kulturdezernent von Mainz, Träger des Leo-Baeck-Preises, Dr. Anton Maria Keim einen Vortrag über „Speyer, Worms und Mainz als Zentren des mittelalterlichen europäischen Judentums“. Dr. Keim, großmütterlicherseits selbst jüdischer Herkunft, ausgewiesener Kenner in dem Bereich jüdischer Themen und durch vielfältige Publikationen hervorgetreten, referierte eindrucksvoll und verständlich über die Bedeutung der Schum-Städte, die bis heute in der jüdischen Welt als einer der Höhepunkte jüdischer Geschichte überhaupt gesehen werden. Die Veranstaltung, die in Zusammenarbeit mit der Stadt durchgeführt wurde und bei der Bürgermeister Peter Simon das Grußwort sprach, war leider sehr schlecht besucht. Lag es am Thema, lag es an der unzureichenden Öffentlich-keitsarbeit (es kam z.B. kein ausführlicherer Vorbericht über die Veranstaltung in der Nahe-Zeitung, geschweige denn in den Wochenblättern), oder lag es daran, dass mögliche Zielgruppen, z. B. Schulen, nicht informiert wurden. Es war wohl die Kombination dieser Faktoren, die zu der dürftigen Bilanz hinsichtlich der Zuschauerzahlen führte. Musikalische Beiträge wurden von den bei Jugend musiziert sehr erfolgreichen Geschwistern Kathrin und Jan-Felix Klein dargeboten.
In Zusammenarbeit mit „Schalom“ führte dann die Stadt Idar-Oberstein am Sonntag, dem 17.07.2005, im Kultursaal des Schlosses Idar-Oberstein eine Lesung aus dem Erzählwerk von Bruno Schulz mit dem Rezitator Bernt Hahn durch. Der polnisch-jüdische Schriftsteller und Maler Bruno Schulz, der 1942 auf offener Straße von einem Gestapo-Mann erschossen wurde, zeigt in seinem schönen und seltsamen, komischen und unheimlichen erzählerischen Werk, besonders dem Erzählungsband „Die Zimtläden“, die Welt des ostjüdischen Schtetl, das mit der modernen Welt in Berührung kommt, und schafft eine „literarische Atmosphäre im Grenzland zwischen Träumen und Wachen.“ Musikalisch gestaltet wurde die Veranstaltung von Theo Jörgensmann (Klarinette). Auch diese Veranstaltung war schwach besucht, was aber in diesem Fall daran lag, dass der Autor und sein anspruchsvolles Werk wenig bekannt sind. Für einen Teil der Zuhörer war die Rezeption sicher nicht leicht; gute Voraussetzungen zum Verständnis brachte mit, wer starkes Interesse an Literatur oder gesichertes jüdisches Wissen oder beides vorweisen konnte. In diesen Fällen war der ästhetische und der Erkenntnisgewinn, den man bei dieser Veranstaltung hatte, allerdings beachtlich.
Am Dienstag, dem 13.09.2005, hielt dann der Judaistik-Professor Dr. Daniel Krochmalnik von der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg im Evangelischen Gemeindehaus Kirchenbollenbach einen Vortrag zum Thema „Kabbala“, der jüdischen Mystik. Mitveran-stalter war die Evangelische Kirchengemeinde Kirchenbollenbach. Der anspruchsvolle Vortrag war insgesamt so gehalten, dass man auch als Laie das meiste und das Entscheidende verstehen konnte, auch wenn es Passagen gab, die stark fachwissenschaftlich befrachtet waren.
Zu dieser hochkarätigen Veranstaltung, für die ausführlich in der Presse und in der Ev. Kirchengemeinde geworben wurde, kamen mehr Zuhörer als zu den vorangegangenen, jedoch bestand nicht die Gefahr, dass die Saalwände aus allen Nähten platzten. Da die Kosten für die Veranstaltung relativ hoch waren, allerdings von beiden Veranstaltern zu gleichen Teilen getragen wurden, fragt es sich, ob man mit dem Ergebnis letztlich zufrieden sein kann. Ja, würde ich sagen unter der Voraussetzung, dass wir in der Mittelstadt Idar-Oberstein nicht erwarten können, bei allen Veranstaltungen volle Säle oder sehr viele Zuhörer zu haben. Eingeleitet wurde die Veranstaltung mit zwei Liedern aus Schuberts Winterreise, gesungen von Richard Logiewa, begleitet von Klaus Gerhold.
Am 09.11. fand wieder eine Gedenkveranstaltung zur Reichsprogromnacht am Mahnmal für die ermordeten jüdischen Bürger Idar-Obersteins statt, wie üblich mit Ansprache, Textlesung, Kerzenanzünden und Vorlesen der Namen der Opfer.
Auch eine Tagesfahrt fand 2005 statt, diesmal zu den jüdischen Stätten Heidelbergs. Termin war Samstag, der 26.11.2005. Die Fahrt war gut angekündigt, gut organisiert, hauptsächlich von Anne Sinclair. Auf dem Programm stand eine Führung durch das jüdische Heidelberg, die etwas darunter litt, dass der Vortrag der Führerin nicht wirklich das für diese sensible Thematik notwendige Niveau aufwies. Die Perspektive der nichtjüdischen mittelalterlichen Mehrheitsgesellschaft, aus der heraus die Führerin das christlich-jüdische Zusammenleben darstellte, kann letztlich kein Verständnis der tieferen Zusammenhänge erzeugen, wird vielleicht sogar antijüdische Vorurteile hervorrufen. Ich möchte aber ausdrücklich betonen, dass dieses Problem niemand von „Schalom“ zu verantworten hat. Man kann nicht für Führungen, die man in einer entfernten Stadt bucht, zuvor Probeanhörungen durchführen, sondern muss sich auf das Angebot der Stadt verlassen.
Der eigentliche Höhepunkt der Heidelberg-Fahrt war denn auch der Besuch des Dokumen-tationszentrums der Sinti und Roma. Diese von der räumlichen Anordnung her, der Qualität der Präsentation und der eindringlichen Art, wie Einzelschicksale hervorgehoben wurden, wahrhaft ergreifende Darstellung verdeutlichte wieder in ganz besonderer Weise, was für ein ungeheures und unvergleichbares Menschheitsverbrechen der nationalsozialistische Holocaust gewesen ist.
Der eigentliche Höhepunkt in der Veranstaltungsreihe von „Schalom“ vor der jetzigen Mitgliederversammlung war sicherlich die Gedenkveranstaltung am 27.01.2006 mit dem Holocaust-Überlebenden Martin Schmitz, die in Zusammenarbeit mit dem Stadtjugendamt durchgeführt wurde. Diese von vielen, vor allem von vielen jungen Menschen besuchte Veranstaltung war sicher für die meisten von nachhaltigem Eindruck. Martin Schmitz verstand es sehr überzeugend, am Beispiel seiner Lebensgeschichte die schwierigen oder schwierigsten alltäglichen Lebensumstände seiner Zeit zu schildern und erzeugte vor allem Betroffenheit dadurch, dass er zeigte, wie er sein persönliches Geschick mit dem unglaublich tragischen Schicksal seiner Eltern verknüpfte. Die zahlreichen Stuhlreihen, die aufgestellt worden waren, waren mit den über 100 Besuchern fast völlig belegt. Dass die Veranstaltung ein solcher Erfolg wurde, liegt einmal daran, dass das Thema und auch der Zeitzeuge Martin Schmitz von großem Interesse waren; es liegt aber auch daran, das bei dieser Veranstaltung die Öffentlichkeitsarbeit geradezu ideal funktionierte. Nachdem ich noch vor Weihnachten ein Bündel von Informa-tionsmaterialien (Brief an die Mitglieder, Pressemitteilung, Plakat, Brief an die Schulen) fertig gestellt und an Dieter Hochreuther vom Stadtjugendamt weitergeleitet hatte, bekamen die Mitglieder die Informationen um die Jahreswende, die Schulen (inklusive der Plakate) zu Schulbeginn am 9. Januar. Die Presseankündigung ging über Herrn Brill vom Öffentlich-keitsreferat der Stadt an die Nahe-Zeitung und die anderen Blätter. In allen Wochenblättern, die ich gelesen habe, kamen Ankündigungen, in der „Dorfschelle“ zwei umfangreiche mit Bild. Die Nahe-Zeitung brachte einen ausführlichen frühen Bericht, eine Ankündigung mit Bild und einen zweiten ausführlichen Bericht wenige Tage vor der Veranstaltung. Nachdem Herr Brill den Bericht nach Trier geschickt hatte, kam er in großer Aufmachung im Trierischen Volks-freund. Martin Schmitz schlug an dem Morgen die Zeitung auf und glaubte im ersten Moment einen Doppelgänger zu haben, als er sein Bild sah. Es folgte ein großer Report über Martin Schmitz mit Bild im Trierischen Volksfreund vom 27.01. Im beigefügten Kommentar appellierte der Autor und Redakteur Winfried Simon an die Traben-Trarbacher Bürger, endlich etwas zum Gedenken an die verfolgten und ermor-deten Juden zu tun. So kann man schon sagen, dass unsere Gedenkveranstaltung Wellen geschlagen hat.
2. Schalom-Räume

Die Schalom-Räume sind für den Verein in mancherlei Hinsicht von Vorteil, sie könnten andererseits auch noch besser genutzt werden. Die Frage der Räume war für den Verein, wie insbesondere für den Vorstand, eigentlich immer auch eine Frage der Kosten-Nutzen-Relation. Nachdem die anfänglich hohe Nebenkostenlawine (im Zusammenhang mit der Nebenkostenpauschale von 150 Euro) zum Stillstand gebracht worden war und Gespräche mit Mitarbeitern der Stadt und dem OB Machwirth geführt worden waren, die uns Entgegenkommen signalisierten, hofften wir aus der Kostenfalle entwischt zu sein. Leider kam dann eine Nebenkostenrechnung, die für 2005 eine für uns nicht mehr tragbare Summe von fast 1200 Euro aufwies. Ich schrieb am 19.10.2005 in Absprache mit dem Vorstand einen umfangreichen Brief an den OB Hans-Jürgen Machwirth, in dem ich einen Vorschlag formulierte und um wohlwollende Überprüfung und Antwort bat. Ich zitiere:
„Nun ist bei den Abrechnungen der Stadtverwaltung für 2004 und 2005 leider bei den meisten Posten der anteilige Verbrauch nach unserem Anteil an der Wohnfläche des Hauses berechnet worden, nicht nach dem geschätzten wirklichen Verbrauch. Dadurch ist z.B. für 2005 ein Betrag von 1166,22 Euro zusammengekommen, der unsere Möglichkeiten weit übersteigt. Allein für Reinigungskosten wurden z.B. 386 Euro veranschlagt, wobei wir für die Reinigung unserer Räume bisher selbst aufgekommen sind. So könnte man an vielen Einzelposten nachweisen, dass wir – vom wirklichen Verbrauch her gesehen, der bei uns oft gar nicht anfällt – überproportional hoch beteiligt sind.
Wir sind ein Verein mit etwa 80 Mitgliedern, die an Mitgliedsbeiträgen knapp 1600 Euro im Jahr einbringen. Ziehen wir davon die Nebenkosten für die Räume ab (also etwa 1200 Euro), so bleiben ungefähr 400 Euro im Jahr, mit denen z.B. Honorare und sonstige Kosten für Referenten und viele andere Dinge bestritten werden müssen. Eine sinnvolle Vereinsarbeit in dem Umfang und mit dem Anspruch wie bisher ist dann aber nicht mehr möglich. Auch können wir als Vorstand die hohen Ausgaben vor unseren Mitgliedern nicht verantworten, wenn drei Viertel unserer Mitgliedsbeiträge auf Nebenkosten für die Räume entfallen. Immerhin ist „Schalom“ ein gemeinnütziger Verein und wird als solcher auch vom Finanzamt anerkannt. Ich hoffe, dass Sie die schwierige Situation verstehen, die sich jetzt für den Verein „Schalom“ ergeben hat und dass Sie auch Verständnis haben für folgenden Vorschlag:
Wir möchten eine Nebenkosten-Pauschale von jährlich 300 Euro bezahlen. Dann würden wir die Räume in dem Maße weiter nutzen, wie wir es bisher getan haben, und sie auch in Ordnung halten. Wenn das nicht möglich ist, wäre das sehr bedauerlich, aber wir müssten dann die Räume aufgeben und ausziehen.
Bedenken Sie nur bitte, vielleicht spricht diese Überlegung ja für „Schalom“: Wenn wir ausziehen, dann würden die Nebenkosten einschließlich der Kosten für die Grundbeheizung der Räume im Herbst und im Winter etwa in gleicher Höhe bleiben, da wir tatsächlich nur sehr wenig verbraucht haben. Diese Kosten müssten dann von der Stadt ganz getragen werden. Darum bitte ich Sie, den oben genannten Vorschlag wohlwollend zu prüfen und eine Entscheidung in unserem Sinn noch im Laufe dieses Jahres zu treffen, damit der Verein seine weitere Arbeit sicher planen kann.
Mit freundlichen Grüßen etc.“
Das Ergebnis dieser Initiative liegt inzwischen vor. Ich zitiere das Protokoll von Regina Hartenberger vom 29.11.2005:
„Herr Machwirth hat den Brief an Herrn Dreher, Gebäudemanagement der Stadt, mit der Bitte um Klärung weitergeleitet. Ein Gespräch mit Herrn Dreher, Herrn Fillmann, Leiter des städt. Rechnungsprüfungsamtes und Herrn Hochreuther fand daraufhin statt. Folgender Vorschlag wurde dem Verein unterbreitet:
Die Heizkosten (anteilig auch für Treppenhaus und Flur) für das Jahr 2004 in Höhe von 488,40 € und eine Kostenpauschale von 300 € zahlt der Verein. Die restlichen Betriebskosten trägt die Stadt. Durch die Gutschrift aus dem Jahr 2003 ist noch eine Zahlung von 121,77 € zu leisten.
Betriebskosten ab 2005:
Der Verein zahlt die Heiz- und Stromkosten für die gemieteten Räume und die anteiligen Heizkosten für Treppenhaus und Flur. Die übrigen Betriebskosten trägt die Stadt im Rahmen der Kulturförderrichtlinien. Für die Heizkosten wird ab 01.01.2006 eine monatliche Vorauszahlung von 40 € an die Stadt geleistet. Die Stromkosten müssen vom Verein direkt an die OIE gezahlt werden (Vertrag noch nicht vorhanden).
Nach einer längeren Diskussion wird dieser Vorschlag für ein Jahr einstimmig vom Vorstand akzeptiert. Danach wird er erneut geprüft. Herr Hochreuther teilt der Stadtverwaltung unsere Entscheidung mit.
Der gesamte Tagesordnungspunkt soll auf der jährlichen Mitgliederversammlung, die für Anfang März 2006 vorgeschlagen wurde, zur Diskussion gestellt werden.“
Die Frage soll also, so die Meinung des Vorstands, der heutigen Mitgliederversammlung zur Diskussion vorgelegt werden.
3. Vorstand
Die Vorstandsarbeit verläuft intensiv und sollte in dieser Intensität weiter verlaufen, damit in Idar-Oberstein und im Kreis Birkenfeld die „Begegnung mit dem Judentum“ ein fester Orientierungspunkt bleibt. Meinungsunterschiede und ideologische Differenzen sollten als Ausdruck eines breiten Spektrums, einer Vielfalt von Ansätzen in unserem Verein gesehen werden. Sie können hin und wieder diskutiert, aber wohl letztlich nicht „ausdiskutiert“ werden. Toleranz oder besser Akzeptanz des anders Denkenden ist die Basis einer gemeinsamen Arbeit. Initiativen, Vorschläge, sofern sie den Zielen des Vereins dienlich sind, sollten als Anregung und Bereicherung im Sinne der Vielfalt von Möglichkeiten positiv aufgenommen werden. -
Allerdings muss bei allem Engagement eines gesehen werden: Vorstandsarbeit bei „Schalom“ ist gemeinnützige freiwillige Tätigkeit. Die Vorstandsmitglieder sind beruflich oder privat schon genügend ausgelastet, so dass auch Grenzen des Möglichen gesehen und akzeptiert werden sollten. Nachdem ich z.B. Informationen beschafft hatte, wie der Israel-Austausch wieder angekurbelt werden könnte, etwa in Zusammenarbeit mit Hanna Tidhar von „Dialog“ in Israel, wurde mir aufgrund eines gesundheitlichen Warnrufs klar, dass ich selbst nicht in der Lage sein werde, ein solches Projekt neben meinem mich voll beanspruchenden Beruf, der noch verschiedene Zusatzfunktionen einschließt, hauptverantwortlich und sozusagen geschäftsführend umzusetzen. Würde sich jemand finden, der die Arbeit übernimmt, die ja zu den grundlegenden Zielen unseres Vereins gehört und auch verschiedentlich als zukünftiger Schwerpunkt von mir angekündigt wurde, so würde ich ihm nach meinen Kräften zur Seite stehen, aber selbst die Hauptlast zu tragen, ist mir nicht möglich.
Ähnlich liegt die Problematik bei dem Projekt „Jüdische Friedhofshalle“, zu der ich inhaltlich nachher noch etwas sagen werde. Der Verein kann Anregungen geben. Die eigentliche Arbeit jedoch, die konkrete Umsetzung des Projekts, d. h. Kauf, Bauarbeiten, Renovierung, Instandhaltung etc. müssten auf einer ganz anderen Ebene ausgeführt werden.
Die Vorstandarbeit verlief ordnungsgemäß: Es fanden 7 Sitzungen statt (5.4., 17.5., 12.7., 5.9., 19.10., 29.11.05 und 11.1.06). Briefe an Mitglieder gingen am 18.4.05 und am 27.12.05 heraus. Zu allen Sitzungen und auch zu der Mitgliederversammlung 2005 liegen ausführliche Protokolle unserer Schriftführerin Regina Hartenberger in gewohnter Qualität, die nichts zu wünschen übrig lässt, vor. Alles Finanzielle (Jahresabschluss, Spendenbescheinigungen, Honorare, Fahrtkosten, Kosten für Geschenke, Bücher etc.) wurde von der Kassenwartin Jutta Schreiner absolut zuverlässig geregelt; auch die Einladungen zu dieser Versammlung wurden von ihr verschickt.
Herr Dieter Hochreuther hat mit seinen Mitarbeitern bzw. den Zivildienstleistenden bei den Veranstaltungen mit Dr. Keim und Herrn Schmitz in gewohnter Weise professionell und äußerst effektiv alle organisatorischen Angelegenheiten, die mit den Räumlichkeiten der Göttenbach-Aula zu tun hatten, geregelt und war auch sonst mit Ratschlägen hilfreich.
Bei so gut wie allen Vorstandssitzungen war der neue Beisitzer Wilhelm Gervers anwesend. Sehr dankbar bin ich ihm für seine Teilnahme an der letzten Sitzung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und seine Initiative, gegen die scheußlichen Umtriebigkeiten Ahmadinedschads zu protestieren, worüber wir später noch sprechen können.
Auch Klaus Gerhold stand uns in seiner engagierten Art bei der musikalischen Gestaltung der Veranstaltungen mit Dr. Keim und Professor Krochmalnik zur Verfügung, entweder in vermittelnder Funktion oder als ausübender Musiker.
Die gelungenen November-Veranstaltungen (Gedenkveranstaltung 9.11., Heidelberg-Fahrt) fanden unter der Regie der 2. Vorsitzenden Anne Sinclair statt, d.h. Vorbereitung, Durchführung und Öffentlichkeitsarbeit waren ihre Sache, unterstützt wurde sie von weiteren Vorstandsmitgliedern; ich selbst konnte bei diesen Veranstaltungen nicht teilnehmen bzw. an der Vorbereitung nicht mitwirken, da ich mit Schülern in Berlin war. Außerdem führte Anne Sinclair die Öffentlichkeitsarbeit bei der Veranstaltung mit Dr. Keim durch.
Mein Anteil an der Vorstandarbeit, ich nenne nur das Wichtigste, war die Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltungen mit Dr. Keim, mit Professor Krochmalnik und mit Herrn Schmitz, in den beiden letzten Fällen lag auch die Öffentlichkeitsarbeit in meinen Händen.
Zu danken hat der Vorstand wieder den beiden Kassenprüfern, Herrn Stöckermann und Herrn Dr. Rosskopp, für ihre erneute Hilfe bei der Kontrolle der Finanzen.
4. Jüdische Friedhofshalle
Eigentlich sollte dieses Thema einen breiteren Raum in der Mitgliederversammlung einnehmen. Es geht darum, dass die frühere jüdische Friedhofshalle, ein interessantes achteckiges architektonisches Gebäude, bei dem unter dem Wand- und Deckenverputz noch Überreste der ursprünglichen jüdischen Bemalungen zu erkennen sind, eigentlich erhalten bleiben sollte. In dem Gebäude in der Seitzenbachstraße ist nun schon seit Jahrzehnten eine Autofirma (Geiermann) untergebracht. Anne Sinclair ergriff die Initiative, etwas für den Erhalt dieses Gebäudes zu tun. Ein Besichtigungstermin mit Herrn Berkemann, Herrn Geiermann und Frau Sinclair fand statt. Nach Auskunft von Herrn Schultes, Untere Denkmalbehörde Kreisverwaltung Birkenfeld, ist die Friedhofshalle bereits in die Denkmal-Topographie aufgenommen und nach Auskunft von Frau Dr. Wenzel, Landesamt für Denkmalpflege in Mainz, besteht die Möglichkeit der historischen Aufnahme in den Denkmalschutz. Die denkmalfachliche Bedeutung hingegen sei eher gering, da bereits zu viele Umbaumaßnahmen stattgefunden haben. Herr Schultes von der Unteren Denkmalbehörde der Kreisverwaltung Birkenfeld und Frau Dr. Wenzel wollten dann am 01. oder 02.02.06 zu einer Besichtigung der Friedhofshalle kommen. Leider kam es nicht zu dem Termin, weil die genannten Fachleute nicht konnten; sie haben sich auch bisher nicht mehr gemeldet. Wenn es sich nun im weiteren Verlauf unserer Bemühungen wirklich erweisen würde, dass das Gebäude für den Denkmalschutz nicht in Frage kommt (für den Denkmalschutz hatten wir eigentlich weiter gehende Schritte erwogen), dann müsste das ganze Projekt noch einmal neu durchdacht oder sogar aufgegeben werden.

5. Bibliothek
Die Frequentierung der Schalom-Bibliothek hat deutlich nachgelassen. Waren es 2004 noch 232 Bücher, so im Jahre 2005 noch 118 (66 aus dem Bereich Geschichte, 20 Schöne Literatur, 12 Religion, 10 Biographien etc.). Das ist zwar immer noch viel im Vergleich mit der Zeit bei St. Peter und Paul, wo es vielleicht 10 Bücher im Jahr waren. Dennoch gilt wie schon letztes Jahr: Werbung für die Schalom-Bibliothek ist wichtig, damit ein interessiertes Lesepublikum (z.B. auch Schülerinnen und Schüler) wissen, dass sie nicht nach Koblenz fahren müssen, um z.B. die deutsche Übersetzung des gesamten Talmud einsehen zu können oder recht gut sortierte Fachbücher zum Thema Holocaust und Antisemitismus zu finden, sondern dass dies in der Idar-Obersteiner Stadtbibliothek direkt möglich ist.
Angeschafft wurden u.a. folgende Bücher: „Plädoyer für Israel“ von dem bekannten amerikanischen Rechtsanwalt und Bürgerrechtler Alan Dershovitz; als Gegengewicht dazu, um nicht den Verdacht der Einseitigkeit aufkommen zu lassen, „Ein Leben für den Frieden“ von dem in Deutschland sehr geschätzten israelischen Friedenskämpfer Uri Avnery; das hochinteressante, viele Anregungen vermittelnde Buch von Götz Aly „Hitlers Volksstaat“; auch ein Kinderbuch ist dabei: „Kabbala für Kids“ von Madonna, - ja, doch, ein gutes Buch! Als letzte Anschaffung ist noch besonders zu nennen: „Synagogen Rheinland-Pfalz Saarland“, herausgegeben u.a. vom Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz.
Erfreulich ist, dass der Verein eine großzügige Bücherspende von Frau Helma Rauland aus Idar-Oberstein erhalten hat, bei der sehr interessante Werke aus verschiedenen Bereichen vorzufinden waren; sie stellen eine Bereicherung unserer Schalom-Bibliothek dar. Die Bücher sind von den Mitarbeiterinnen der Stadtbibliothek aufgenommen worden und stehen seit Mitte des Jahres 2005 der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung. Was nicht aufgenommen wurde (Zeitschriften, Fremdsprachiges), haben wir hier in den Schalom-Räumen untergebracht. In einem persönlichen Schreiben vom 25.5.05 habe ich Frau Rauland für Ihre Spende gedankt und sie zu den anstehenden Schalom-Veranstaltungen eingeladen.
Eine weitere erfreuliche Mitteilung - allerdings in Folge eines traurigen Ereignisses - erreichte mich Ende Januar: in einem Schreiben vom 30.1.06 teilte RA Dr. Jochen Pörtge mit, dass Frau Kempe, die am 25.12.2003 verstarb, ich zitiere, „dem Shalom-Verein Idar-Oberstein alle Judaika einschließlich aller Bücher, die sich mit dem Judentum und Israel befassen“ vermacht hat. Der RA wird sich, sobald er „Bestand und Verbleib der Bibliothek“ kennt, wieder an mich wenden.
6. Anerkennung als Kultur treibender Verein
In einem Brief vom 31.5.05 hat die 2. Vorsitzende Anne Sinclair einen Antrag an die Stadt geschickt, Schalom als kulturtreibenden Verein anzuerkennen: Gleich zu Beginn findet sich die nicht zu bestreitende Feststellung: „Wie sehr der Verein in den letzten...Jahren das kulturelle Leben der Stadt und der Region mitbestimmt hat, das blieb der Öffentlichkeit nicht verborgen.“ Im weiteren Verlauf wurde auf die vielfältigen Aktivitäten von Schalom hingewiesen, besonders auf die großen Veranstaltungen im Januar 2005.
Kurz: Das erfreuliche Ergebnis wurde uns in einem Schreiben der Stadt vom 27.10.05 mitgeteilt: „Nach eingehender Beratung hat der Kulturausschuss einstimmig beschlossen, den Schalom e.V. als Kultur treibenden Verein im Sinne der städtischen Kulturförderrichlinien anzuerkennen.“
Wir haben damit die Möglichkeit, im Veranstaltungskalender der Stadt zu erscheinen und Zuschüsse zu erhalten. Ein erster in Höhe von 228,95 € wurde uns bewilligt, gemäß einem Schreiben vom 18.1.06
7. Präsentation von „Schalom“ bei der LAG Gedenkstätten Rheinland-Pfalz
Es ist nun doch geglückt. Wir, also „Schalom“, sind im Internet zu finden, allerdings nur über einen Link der LAG. Im Januar, noch vor der Veranstaltung mit Herrn Schmitz, kam die Anfrage, ob wir daran interessiert seien. Ich fertigte in Absprache mit Frau Sinclair, eine erste Version an, die jederzeit fortgeschrieben und aktualisiert werden kann. Es ist momentan eine Textpräsentation mit einem Bild von Herrn Schmitz, das aufzurufen mir aber nicht gelungen ist. Ich bitte alle Vorstandsmitglieder und alle Interessierten hineinzuschauen und Anregungen zur Fortschreibung und zur optischen Aufbereitung dieser Präsentation zu geben.

8. Itzig
Nach der Leserbrieffehde des vorvergangenen Jahres war 2005 nichts mehr von „Itzig“ zu hören. Dies ist wirklich erfreulich, da die Tradition des Itzig-Spiels, wäre sie einmal über die engen Grenzen der Region hinaus bekannt geworden, im besten Fall als skurriles Provinzphänomen belächelt worden, eher aber als abstoßender Schmutzfleck auf dem adrett zurechtgemachten Image der weltoffenen Edelsteinstadt Idar-Oberstein ins Auge gesprungen wäre. Ich hätte das Thema fast vergessen, hätte ich nicht vor kurzem in einer Dokumentation über Konzentrationslager gehört, wie ein jüdischer Häftling sagte: „Wir wurden verhöhnt und bei jeder Gelegenheit als Itzig beschimpft.“
9. Kennenlernen der Tora
Regelmäßig fanden die Treffen des Gesprächskreises „Kennenlernen der Tora – die ethischen Werte des Judentums“ statt, immer am 1. Samstag des Monats, jeden Monat mit Ausnahme des August. Es handelt sich nach wie vor um einen interessierten, aber kleinen Kreis von Teilnehmern. Die Rückmeldungen sind sehr positiv. Anschließen möchte ich mich dem Votum eines Teilnehmers, der sich so dazu äußerte: „Ich kann mich nur wundern, dass nicht mehr Leute kommen; geht es hier doch um den Kern der Sache, um die wir uns bemühen.“

10. Schluss:
Abschließend möchte ich noch einmal hervorheben, dass der Vorstand im vergangenen Vereinsjahr nach Kräften versucht hat, dem Auftrag gerecht zu werden, der ihm durch die Vereinssatzung erteilt worden ist. Insbesondere wurde durch Veranstaltungen
die Abwehr des Antisemitismus und ein besseres Kennenlernen der jüdischen Religion angestrebt. Auch die Aufklärung von Schülern über die verhängnisvolle Vergangenheit des Nationalsozialismus war ein Anliegen, das der Verein zu verwirklichen versucht hat.

Vielen Dank für Ihre Geduld beim Zuhören.

Robert Strauß
Über diese Jahreshauptversammlung hat die 2. Vorsitzende Anne Sinclair den folgenden Pressebericht geschrieben. Hinzugefügt ist eine von der Mitgliederversammlung verabschiedete Erklärung (Entwurf: Wilhelm Gervers) zu den unglaublichen Äußerungen Mahmud Ahmadinedschads zu Israel und zum Holocaust. Namentlich genannt werden alle jüdischen Opfer des Holocaust aus Idar-Oberstein:

Bericht zur Schalom Mitgliederversammlung

In seinem Jahresbericht hob der Vorsitzende des Vereins Schalom e.V. Robert Strauß die Höhepunkte der Aktivitäten und Veranstaltungen hervor, die alle auf ihre Weise zur Bereicherung der Mitglieder und Interessierten und des kulturellen Lebens beitrugen.
Der Vortragsabend mit dem ehemaligen Kulturdezernenten der Stadt Mainz, Dr. Anton Keim zu den „Schum – Städten“ Mainz, Worms, Speyer zeigte, wie zu gewissen Zeiten im Mittelalter die erblühten jüdischen Gemeinden einen großen Einfluss auf das kulturelle Leben der Städte hatten.
Der Vortrags- und Diskussionsabend mit Professor Dr. Daniel Kochmalnik von der Hochschule für jüdische Studien Heidelberg zum Thema „Kabbala“ führte zu den Grundlagen jüdischer Mystik.
Im Rahmen des Theatersommers war Schalom Mitveranstalter der Stadt mit einer Lesung mit den Werken von Bruno Schulz, einem jüdisch polnischen Dichter, der auf offener Straße von der SS erschossen wurde. Bernt Hahn, ein durch anspruchsvolle TV –Sendungen bekannter Rezitator las die hervorragenden Texte vor, die noch weitgehend unbekannt sind.

Höhepunkt der Veranstaltungsreihe war die Gedenkveranstaltung am 27.1.06 mit dem 86jährigen Auschwitz Überlebenden Martin Schmitz aus Traben- Trarbach. Die Göttenbach – Aula war bis zum letzten Stuhl gefüllt, und junge und ältere Menschen lauschten gebannt den Erinnerungen des 86jährigen Zeitzeugen, der seine Erinnerungen detailliert und lebensnah vermittelte und dabei die Schreckensbilder, aber nie Hass aufleuchten ließ.

Auf große Resonanz stieß die Jahresfahrt des Schalom Vereins, die diesmal nach Heidelberg führte. Mitglieder und Interessierte bewegten sich auf den Spuren jüdischer Stätten und besuchten das medial besonders gut ausgestattete und tief beeindruckende Dokumentationszentrum für Sinti und Roma.
In diesem Jahr wird Schalom eine mehrtägige Fahrt vom 25. (Himmelfahrt) bis zum 28. Mai 06 nach Berlin mit dem Schwerpunkt „Das jüdische Berlin in Vergangenheit und Gegenwart“ und anderen kulturellen Angeboten durchführen. Über das genaue Programm und die Modalitäten der Anmeldung wird in einem gesonderten Bericht informiert.

Dicht angrenzend an den jüdischen Friedhof in Oberstein existiert in Privatbesitz eine der wenigen jüdischen Einsegnungshallen, die es in Deutschland überhaupt noch gibt. Der Bau zeigt in seiner Architektur deutliche Spuren des ehemaligen Sakralbaus. Ein Anliegen des Vereins ist es, dass dieses noch erhaltene jüdische Bauwerk als Kulturerbe erhalten, eventuell restauriert und einer würdigen Nutzung zugeführt werden kann.

Sehr positiv bewertet wurde die Aufnahme des Vereins in die Reihe der kulturtreibenden Vereine der Stadt Idar-Oberstein und auf die Homepage der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten / Rheinland- Pfalz mit ausführlicher Beschreibung der Ziele und Aktivitäten.

Schalom e. V. hat die Stellungnahme der Gesellschaft für christlich- Jüdische Zusammenarbeit in Düsseldorf gegen die antisemitischen Äußerungen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad zur Kenntnis genommen und begrüßt. Heftig diskutiert wurde der Inhalt einer eigenen Erklärung, die sich im Namen von 26 ermordeten Idar–Obersteiner Juden gegen jene Äußerungen zur Wehr setzt.

Anne Sinclair


Erklärung

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat wiederholt gefordert, Israel müsse von der Landkarte des Nahen Ostens verschwinden, und behauptet, der Holocaust sei ein Märchen!

Mit diesen Unworten hat er auch die ehemaligen deutschen Bürger jüdischen Glaubens und jüdischer Herkunft aus Idar-Oberstein, die ins Konzentrationslager und ins Gas gehen mussten, beleidigt. Die Schändung der Menschlichkeit und der Ehre der Opfer des Holocaust darf nicht unwidersprochen bleiben! Es kann und darf nicht sein, dass heute wieder Menschen Land, Leib und Leben abgesprochen werden, wie es 1933 bis 1945 schon einmal in unserer Mitte geschah.

26 jüdische Männer, Frauen und Kinder sind damals ermordet worden. Sie widerlegen die Behauptung Ahmadinedschads, der Holocaust sei ein Märchen. Ihre Namen lauten:
Franziska Behr
Johanna van Beets
Phillip van Beets
Walter van Beets
Bernhard Emanuel
Hans Willi Günzburger
Jenny Hirsch
Wilhelm Hirsch
Karl Julius
Ernst Katzenstein
Helene Katzenstein
Ida Katzenstein
Siegfried Katzenstein
Wilhelmine Keller
Ella Levy
Else Levy
Emanuel Levy
Hilde Levy
Rosalie Levy
Moritz Levy
Wilhelm Levy
Alfred Neuhäuser
Ernst Stein
Max Weinberg
Ida Wolff
Paula Wolff

Wir – Vorstand und Mitgliederversammlung von „Schalom – Begegnung mit dem Judentum“ e.V. Idar-Oberstein – wehren uns gegen die Verunglimpfungen und Verleumdungen durch den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad und erheben unsere Stimme für die, die nicht mehr reden können.
Der Vorstand
Robert Strauß, 1. Vorsitzender
Anne Sinclair, 2. Vorsitzende
Regina Hartenberger, Schriftführerin
Klaus Gerhold
Wilhelm Gervers
Dieter Hochreuther
Liesel Zumbro-Neuberger

Idar-Oberstein, im Februar/März 2006



Weitere Informationen zum Verein, seinen Angeboten und Aktivitäten bzw. zur Mitgliedschaft (20 € pro Jahr, Ermäßigung für Schüler und Studenten) können Sie über die u.g. Adresse erhalten.

Vorsitzender: Robert Strauß
Im Bienengarten 24
55758 Niederwörresbach
Telefon: 06785/7155
Telefax: 06785/997843
E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Bankkonto:
Kreissparkasse Birkenfeld
Konto Nr. 40 037 ( BLZ 562 500 30 )

 

 

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