Museumsverein Synagoge Staudernheim e.V.
Raymond Wolff
Wildenbruchplatz 5
12045 Berlin
 
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Museumsverein Synagoge Staudernheim e.V.

Der Museumsverein Synagoge Staudernheim e.V. wurde am 24. September 1989 ins Leben gerufen. Damals waren es nur sieben Mitglieder, die Mindestzahl, die man benötigt, um einen Verein zu gründen. Inzwischen ist der Verein, nach dem Stand vom 1. Januar 2006, auf 55 Mitglieder angewachsen. Der Verein hat, wie es in der Satzung heißt, den Zweck, „das Grundstück und Gebäude der ehemaligen Synagoge Staudernheim, Am Wolfsgang 3, zu erwerben, in Stand zu setzen und für kulturelle Zwecke zu nutzen.“ Es gab einige Hürden zu überwinden, bis am 29. Juni 1995 der Museumsverein als Besitzer der ehemaligen Synagoge ins Grundbuch eingetragen wurde. Damit konnte der Verein den ersten der drei Vereinszwecke erfolgreich abschließen. Seitdem arbeiten wir an Teil zwei, der Instandsetzung des Gebäudes.
An dieser Stelle etwas zur Geschichte der unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen Synagoge: 1896 von einem Staudernheimer Maurermeister entworfen und errichtet, war sie religiöse Heimstätte einer kleinen, aber stolzen jüdischen Landgemeinde. Anfangs war sie Gebetsraum für die Juden aus Staudernheim und Odernheim, dieser Zusammenschluss der Gläubigen aus den beiden Nachbarorten währte jedoch nicht lange, den Juden aus der preußischen Rheinprovinz (Staudernheim) und der bayrischen Pfalz (Odernheim) wurden von den Behörden verboten, zum gemeinsamen Beten zusammenzukommen.
Soweit bekannt, lebten nie mehr als 86 Juden in Staudernheim (Bevölkerungszahl heute ca. 1.800 Einwohner), fast alle waren miteinander verwandt und stammten von den Familien Eichel und Mayer ab. Sie arbeiteten in den Berufen, die für Juden auf dem Land üblich waren: als Viehhändler oder Besitzer von kleinen Colonialwarenläden, auch als Metzger. Es gab keine Gettoisierung, die Juden lebten im Dorf verteilt. Die beruflichen Schwierigkeiten der Großfamilien zwangen viele der Söhne und Töchter (wie bei den Christen auch), ihr Glück andernorts zu suchen. Die Töchter heirateten häufig nach auswärts, die meisten jungen Leute wanderten in die USA aus.
1933 lebten nur noch 21 Juden im Ort. Wie überall in Deutschland wurde das Leben für die Juden Staudernheims schwierig, nicht zuletzt, weil der Kreisleiter der NSDAP aus Staudernheim stammte und in der gleichen Straße wohnte, in der sich die Synagoge befand.
Was ist aus den 21 Juden geworden? Elf konnten in die USA auswandern, vier davon in letzter Minute - einer starb an der Verletzung, die ihm von einem Nationalsozialisten zugefügt worden war. Eine Familie, die besonders unter den Ausschreitungen des 9./10. November 1938 gelitten hatte, zog daraufhin nach Köln, eine Frau dieser Familie starb bei der Geburt ihres Kindes, die anderen vier wurden in Konzentrationslagern ermordet, drei Menschen wurden direkt von Staudernheim aus in den Lagertod getrieben. Und eine Frau überlebte in Staudernheim, da sie mit einem Nichtjuden verheiratet war, der zu ihr stand und damit ihr Leben rettete. Diese Frau starb am 19. Januar 1968, seitdem leben keine Juden mehr in Staudernheim.
Zurück zur Gegenwart. Seit der Museumsverein Mitte 1995 Besitzer der ehemaligen Synagoge wurde, ging es darum, Geld aufzubringen und die Renovierung des sehr heruntergekommenen Gebäudes möglichst schnell voranzutreiben. Einfach war es nicht; trotzdem, mit großzügiger Hilfe des Landesamts für Denkmalpflege und verschiedener Einzelspender ist es uns bis dato immerhin gelungen, ca. 70% sowohl der Planung als auch der Instandsetzungs- und Restaurierungsarbeiten zu erledigen. Der Dachstuhl wurde abgebaut und nach denkmalpflegerischen Prinzipien wieder aufgebaut, das Dach mit Schiefer gedeckt. Das gesamte Sandsteinmauerwerk, das durch das undichte Dach stark in Mitleidenschaft gezogen worden war, ist inzwischen trockengelegt und gereinigt. Im Frühling 2002 wurde eine neue Tür eingesetzt.
Was soll werden, wenn das Gebäude fertiggestellt ist? Das Gebäude „für kulturelle Zwecke zu nutzen“ kann alles Mögliche beinhalten. Der Vorsitzende des Vereins ist Historiker und beschäftigt sich seit Jahren mit der Geschichte der Juden in Staudernheim, da er selbst Jude ist und seine Mutter aus dem Ort stammt. Die Geschichte der Juden Staudernheims soll als Ausstellung präsentiert werden, darüber hinaus wird der Raum den Bürgern und ihren Vereinen zur Verfügung stehen. Es wird an den Staudernheimern liegen, den Raum mit Leben zu füllen.
In dem noch unfertigen Raum haben schon einige Veranstaltungen stattgefunden. Besonders hervorzuheben war am 28. Juli 1996 die Feier zur hundertjährigen Wiederkehr der Einweihung der Synagoge. Im Gebäude drängten sich die Besucher aus dem In- und Ausland, Reden wurden gehalten und Kantor Avigdor Zuker von der Jüdischen Gemeinde in Wiesbaden sang liturgische Gesänge und zum Schluss das Kaddisch, das Totengebet. Er nannte die aus Staudernheim stammenden Ermordeten bei ihren Namen, ein sehr bewegender Moment.
Ein weiteres Ereignis war die Eröffnung einer ersten Ausstellung am 2. Oktober 1999. Unter dem Titel „Bappe stammt aus Staudernheim“ wurden Fotos gezeigt, die von Emil Mayer, dem Sohn des um 1848 ausgewanderten Staudernheimer Juden David Mayer, aufgenommen worden waren. Emil Mayer hatte um das Jahr 1900 den Heimatort seines Vaters und seine dort lebenden Verwandten besucht. Die Bilder sind alle Außenaufnahmen und damit auch historisch sehr wertvoll. Aus der gleichen Perspektive aufgenommene aktuelle Fotos wurden ebenfalls in der Ausstellung gezeigt, so konnte man Vergleiche ziehen und erkennen, wie viel von der alten Bausubstanz noch heute vorhanden ist. Professor Dr. David Mayer Gradwohl - Urenkel von David Mayer - und seine Frau Hanna aus Ames, Iowa, die Besitzer der ausgestellten Fotos, waren aus diesem Anlass angereist: David Mayer Gradwohl eröffnete die Ausstellung mit einer kurzen Ansprache.
Der Verein ist in den letzten Jahren seinem Ziel ein großes Stück näher gekommen, hat aber noch harte Arbeit vor sich. Es ist zu hoffen, dass mit Hilfe von staatlichen Stellen und engagierten Unterstützern der Weg vor uns nicht mehr allzu lang sein wird, die Bautätigkeit abgeschlossen und das Gebäude seiner Bestimmung übergeben werden kann.
Kontakt/Information:

Museumsverein Synagoge Staudernheim e. V.
c/o Raymond Wolff
1. Vorsitzender
Wildenbruchplatz 5
12045 Berlin
Tel.: 030-6878149

 

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