Die französische Regierung und die „Judenfrage“ von 1942 bis 1944

Vortrag um 19 Uhr im Dathenushaus in Frankenthal

Die französische Regierung („Vichy-Regierung“) war maßgeblich an der Verfolgung und Deportation der Juden in den Jahren 1942 bis 1944 beteiligt. Jeanne Petermann, in der südfranzösischen Hafenstadt Toulon aufgewachsen, lebt seit vielen Jahren in Frankenthal und ist als Übersetzerin und Sprachdozentin tätig. Sie ist im Beirat des Fördervereins für jüdisches Gedenken Frankenthal.

Sie informiert in einem Vortrag mit Fotos am 27. Januar 2016, 19 Uhr

im Dathenushaus in Frankenthal  / Ecke Kanalstraße/Carl-Theodor-Straße

Eintritt frei


Léon Blum war der erste jüdische Premierminister Frankreichs: Vom 4. Juni 1936 bis 29. Juni 1937, vom 13. März bis 10. April 1938 und vom 16. Dezember 1946 bis 16. Januar 1947. Sein Amtsantritt 1936 sorgte für Empörung innerhalb der extremen Rechten im Parlament wie innerhalb der ihr zugehörigen Verbände. Dieser wiedererstarkte Antisemitismus entlud sich bei vielen Politikern und in Teilen der Bevölkerung unter der deutschen Besatzung ab 1940.

Nach dem Waffenstillstand am 22. Juni 1940 wurde der alternde Marschall Philippe Pétain („Held von Verdun“) Regierungschef („Chef de l’État“) in dem von der Deutschen Besatzungsmacht unbesetzten Teils Frankreichs. Die Macht des Vichy-Regimes war beschränkt. Parallel zur NS-Politik führte die Vichy-Regierung ab Oktober 1940 immer mehr antijüdische Maßnahmen durch.

Am 16. und 17. Juli 1942 wurden von den französischen Regierungsstellen 13.000 Pariser Juden verhaftet und in einem Radstadion (siehe Foto) interniert. („Rafle du Vel D’Hiv“ - „Razzia des Wintervelodroms“).

Nach der „Wannsee-Konferenz“ im Januar 1942 unterstützte die Vichy-Regierung die deutsche Besatzungsmacht bei der Deportation der in Frankreich lebenden Juden in die Vernichtungslager im besetzten Polen.

1939 lebten in Frankreich zirka 300.000 Juden, etwa ein Viertel davon wurde ermordet. Diese Quote ist deutlich niedriger als die in anderen von Deutschland besetzten Ländern.

Die französische Regierung erkannte erst 1995 durch Staatspräsident Jacques Chirac offiziell die Verantwortung Frankreichs für die Durchführung der Verfolgungsmaßnahmen an. Zuvor waren Diskussionen über die „Kollaboration“ nicht erwünscht.

Jeanne Petermann beschreibt in Ihrem Vortag auch das Schicksal Frankenthaler Juden in Frank-reich. Die Funktion des Internierungslagers Gurs wird hier ebenso dargestellt wie das Untertauchen und die Rettung einiger Frankenthaler Kinder, Frauen und Männer.

 

 

 


 

Die Hinweistafel auf das Lager Gurs beschreibt die verschiedenen Verfolgungen der Juden in Frankreich.

 

 

 

Der Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal zeigt am

27. Januar 2016, 11 Uhr im Lux-Kino in Frankenthal

August-Bebel-Straße 7 – 9

den Film „Der Staat gegen Fritz Bauer“.

 

Der Film ist 105 Minuten lang.

Der Eintritt kostet 4 Euro.

 

Der Film behandelt wichtige Abschnitte im Leben des hessischen Generalstaatsanwaltes Fritz Bauer (1903 - 1968), der die juristische und publizistische Aufarbeitung der NS-Massenmorde gegen deutsche und europäische Juden (Shoah, Holocaust) im Nachkriegs-Deutschland wesentlich vorantrieb.

Die Handlung des Films setzt 1958 ein. Der Generalstaatsanwalt bekommt den Hinweis, dass Adolf Eichmann, der die Massendeportationen der Juden organisiert hatte, angeblich in Buenos Aires lebt. Während Bauer sich bemüht, diese Information zu verifizieren, sucht er gleichzeitig nach Möglichkeiten, Eichmann in Deutschland vor Gericht zu stellen.

 


Zum Seitenanfang