NS-Psychiatrie in Frankenthal - Vortrag und Film zum Nationalen Gedenktag

 

Die Kreis- Heil- und Pflegeanstalt mit ihren Gebäuden und der großen Gartenanlage (links unten), der Zöllerring mit der Baumallee und der Kanalhafen (rechts unten)



Der Nationale Gedenktag am 27. Januar erinnert an die vielen Opfer des Nationalsozialismus. Der Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal zeigt am 26. Januar, 10.30 Uhr, im Lux-Kino den Film „Nebel im August“. In einem Vortrag am 8. Februar informieren drei Referenten über das Thema „NS-Psychiatrie in Frankenthal“.

Nach der Ausstellung und einem Vortrag „NS-Psychiatrie in der Pfalz“ im Herbst 2016 interessierten sich die drei Schulen (Albert-Einstein-Gymnasium, Karolinen-Gymnasium und PIH Augustin Violet Schule), die auf dem Gelände der ehemaligen Kreis- Heil- und Pflegeanstalt gebaut wurden, für das Thema. „Dass auch aus der Frankenthaler Anstalt ab 1940 viele Patienten deportiert und ermordet wurden, war den wenigsten bewusst“, registrierte Herbert Baum vom Förderverein. Zum Film „Nebel im August“ wurden bereits rund 230 Schülerinnen und Schüler angemeldet. Der Film wird um 10.30 Uhr im Lux-Kino auch für die interessierte Bevölkerung gezeigt.Nebel im August“ ist ein bewegendes Drama über die grausamen Morde in der NS-Psychiatrie und gleichzeitig die authentische Geschichte des 13jährigen Ernst Lossa, der als „asozial“ eingestuft in einem bayerischen Klinikum eingesperrt und 1944 dort getötet wurde. Aufgrund der verschiedenen Euthanasie-Programme in den deutschen Nervenkliniken wurden von 1940 bis 1945 mehr als 200.000 Menschen ermordet.

In dem Vortrag am 8. Februar, 19 Uhr, im VHS-Bildungszentrum, Schlossergasse 10, informieren Bernd Leidig (Altertumsverein) über die Baugeschichte, Herbert Baum (Förderverein) über die jüdischen Patienten und Rüdiger Stein (Förderverein) über die Nutzung der Heil- und Pflegeanstalt als Lazarett für Kriegsgefangene. Der Vortrag ist kostenfrei.

Seit 1811 wurde das Armenhaus in Frankenthal als „erste öffentliche Anstalt zur Verwahrung“ der psychisch kranken Menschen in der Pfalz genutzt. 1932 war die „Kreis-Kranken- und Pflegeanstalt“ mit 642 Patienten, darunter zirka 130 Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 21 Jahren, voll belegt.

Nach der Machtübergabe an die Nazis im Januar 1933 wurde die Frankenthaler Anstalt Teil der NS-Psychiatrie. Zur Umsetzung des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ vom 14. Juli 1933 gab es ab Ende März 1934 das Erbgesundheitsgericht Frankenthal. Bis Ende 1935 wurden 2043 Anträge auf Unfruchtbarmachung gestellt, 1728 Anträge wurden anerkannt. Die Frankenthaler Anstalt ist in der Liste der Mordstätten für Kinder - der so genannten „Kinderaktion“ - nicht enthalten. Nachgewiesen ist die Ermordung von einem Kind aus Frankenthal in der „Kinderfachabteilung“ der Heil- und Pflege Anstalt Eichberg bei Wiesbaden. Da die Gebäude der Anstalt ab 1940 mehr und mehr für verwundete Soldaten und Kriegsgefangene benötigt wurden, verlegte man die meisten Patienten in andere Anstalten. Von dort aus kamen viele in ausgewählte „Tötungsanstalten“, in denen im Rahmen der Aktion „T 4“ 1940 und 1941 über 100 000 Menschen ermordet wurden. Am 22. Oktober 1940 wurden aus der Anstalt Frankenthal sechs jüdische Frauen und vier jüdische Männer im Rahmen der „Bürckel-Wagner-Aktion“ zusammen mit allen anderen über 6500 jüdischen Frauen, Männern und Kinder aus der Pfalz, Baden und dem Saarland in das Internierungslager Gurs in Südwest-Frankreich deportiert. Clementine Adler starb dort bereits am 25. Oktober 1940, Veronika Fränkel aus Roxheim am 14. Januar 1943.

Bei dem Bombenangriff vom 23. auf 24. September 1943 wurde der größte Teil der Anstaltshäuser zerstört. Es ist nicht bekannt, dass es Tote gab. Am 27. September 1944 teilte die Gauleitung dem Reichsbeauftragten für die Heil- und Pflegeanstalten in Berlin die völlige Zerstörung der Heil- und Pflegeanstalt Frankenthal mit.

In dem einzigen erhalten gebliebenen Gebäude sind heute die Verwaltung und Schulräume des PIH untergebracht. Auf dem großen Gelände stehen die beiden Gymnasien.

Die Veranstaltungen werden gefördert aus dem Fonds „Erinnern und Gedenken“ der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in Rheinland-Pfalz (LAG)

Weitere Informationen: www.juden-in-frankenthal.de

 

 


 

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