Deportationen von Juden aus dem Gebiet des Landes Rheinland-Pfalz

 

Abfahrt

Ankunft

10./11. Nov. 1938

erste Sammeldeportationen im Zusammenhang mit dem Novemberpogrom

fast ausschließlich Männer

KZ Dachau, Buchenwald u.v.a.

21/22. Okt. 1940

Wagner-Bürckel-Aktion: Deportation aus Baden, der Pfalz und dem Saarland
Die pfälzischen Herkunftsgemeinden: siehe Anm.2

6538 Personen
in 9 Zügen

in das Internierungslager Gurs/Pyrenäen und die benachbarten KZ Noe, Le Vernet, Les Milles, Rivesaltes, Recebedou im unbesetzten Frankreich. Die Überlebenden wurden ab März 1942 nach Auschwitz und anderen Vernichtungslagern deportiert.

16.Okt.1941

Luxemburg / Trier

512/560 Personen

Ankunft Litzmannstadt/Lodz 18. Okt. 1941

22. Mrz 1942

Koblenz

1000 Personen
(darunter 100, Anm. 3)

Ankunft Izbica 25. März 1942

25. Mrz 1942

Rheinhessen / Mainz /Darmstadt

1000 Personen

Ankunft Izbica 27. März 1942

30.Apr./3.Mai 1942

Koblenz

1000 Personen
(darunter 100, Anm. 3)

Ziel Krasniczyn

14./15. Juni 1942

Koblenz / Düsseldorf

1003 Personen
(darunter 204 Patienten
u. 41 Personal, Anm.3)

Sobibór

27. Juli 1942

Trier-Köln

1165 Personen
(36, Anm. 3)

28. Juli 42 Theresienstadt

23./24. Sept. 1942

Rheinhessen über Sammellager Mainz nach Darmstadt, 
ab Darmstadt 27.09.42
ab Darmstadt 30.09.42




1288 Personen
833 Personen

28.Sept. 42 Theresienstadt

vermutl. 2 Okt. 42 Generalgouvernement, vermutl. Treblinka

11. Nov.1942

Bendorf-Sayn

30 Patienten u Personal, (Anm. 3)

Berlin, Jüdisches Krankenhaus

10.Febr.1942

Rheinhessen
Mainz-Darmstadt

53 Personen

12. Febr. 43 Theresienstadt

1. Mrz 1943

Stuttgart/ Trier/ Düsseldorf/Dortmund

1500 Personen

2. Mrz. 1943 Auschwitz

 

Kleine Gruppen aus Landgemeinden wurden Transporten in Großstädten angeschlossen, so z.B. Mitte April 1942 sechs Juden aus Meddersheim und Sobernheim über Bad Kreuznach einem bisher unbekannten Transport, möglicherweise Frankfurt, Düsseldorf oder Koblenz.

Zahlreiche „Juden“ waren in größere Städte außerhalb des Gebietes des heutigen Landes Rheinland-Pfalz umgezogen, verstärkt aufgrund der „Arisierung“ ihres Besitzes und des Reichspogroms vom 9./10. November 1938, insbesondere nach Frankfurt, Offenbach, Köln, Stuttgart, von wo sie deportiert wurden, sofern ihnen eine Auswanderung nicht mehr gelang.

Juden, die nach Frankreich, Luxemburg, Belgien oder der Niederlande ausgewandert waren, wurden 1942 von dort über Sammellager Drancy bei Paris oder Westerbork/Niederlande nach Auschwitz bzw. Sobibór deportiert, die nach Luxemburg ausgewanderten wurden auch den Transporten ab Trier angeschlossen.

Zur Unterscheidung von „Juden“ und „Nichtjuden“ („Ariern“) nach ihrer Abstammung wurde die Religionszugehörigkeit der Großeltern herangezogen. Aufgrund des Gesetzes zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre vom 15. Sept. 1935 galten alle Personen, deren vier Großeltern dem jüdischen Glauben angehörten, als „Volljuden“ und als „Nichtjuden“ alle, deren Großeltern nicht dem jüdischen Glauben angehörten. Alle anderen galten als Mischlinge 1. oder 2. Grades. Zahlreiche deportierte „Juden“ waren katholisch, evangelisch oder bekenntnislos. Deportiert wurden „Volljuden“. „Mischlinge“ wurden teilweise verschont, wenn sie aus einer „privilegierten Mischehe“ stammten (d.h. Taufe, Konfirmation, Kommunion der Kinder vor dem 15. Sept. 1935). In der Volkszählung vom 17. Mai 1939 waren alle Staatsbürger nach dieser Definitionvon „Abstammung“ erfasst worden und als JJJJ, NNNN, JJNN, JNNN usw. aktenkundig. Tatsächlich erfasste man auf diese Weise die Religionszugehörigkeit der Großeltern, jedoch nicht die (biologische) Abstammung

 


 Tabellenanmerkungen:

1) Daten ab 1941 aus: Alfred Gottwaldt, Diana Schulle: Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941-1945. Wiesbaden 2005.

2) Dokumente des Gedenkens, Bd.7: Dokumentation zur Geschichte der jüdischen Bevölkerung in RLP und im Saarland; und: http://de.wikipedia.org/wiki/Wagner-B%C3%BCrckel-Aktion

3) Klammerzusatz: darunter Anzahl von Patienten und Personal aus der jüdischen Heil- und Pflegeanstalt Sayn der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland, Bendorf-Sayn, vormals Jacoby’sche Anstalt. wurde im Dezember 1940 durch Reichserlass Sammelanstalt für jüdische „heilbare“ Patienten aus dem Deutschen Reich. Zwischen März und November 1942 wurden 506 Patienten und 67 Beschäftigte verschleppt, nur drei Beschäftigte blieben für die medizinische Versorgung noch unverzichtbarer Juden in der Region zurück, „weil dies einem arischen Arzt nicht zumutbar war“.

 

 


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