Niederschrift der virtuellen Sitzung des Sprecherrates am Donnerstag, den 18. März 2021

15:00 Uhr bis 17:40 Uhr

 

Nächster Sprecherratstermin, wieder virtuell:

Mittwoch, 5. Mai 2021, 15:00 Uhr

 

Teilnehmende (x) entschuldigt (e):

x

Dieter Burgard, Vorsitzender

 

x

Georg Mertes

x

Joachim Hennig, stellv. Vorsitzender

 

x

Christof Pies

e

Eberhard Dittus

 

x

Dr. Franz-Josef Ratter

x

Dr. Cornelia Dold

 

x

Axel Redmer

e

Alice Fuß

 

x

Renate Rosenau

x

Dr. Thomas Grotum

 

e

Ksenia Stähle-Müller

e

Lena Haase

 

x

Dr. Ulrike Winkler

x

Richard Keuler

 

Ständige Gäste LpB:

e

Nina Klinkel MdL

 

x

 Uwe Bader

x

Maurice Kuhn

 

x

 Annika Heinze

 

Beschlüsse / Aufträge

TOP

Thema

Auftrag

2.1

Tagungsband Landestagung Krankenmorde

Burgard

2.2

Gedenkportal Krankenmorde,
Sachstand und offener Recherchebedarf

Fachgespräch

Rosenau zu nächsten Sitzung

 

Burgard, Rosenau, Bader, Holdt, u.a.

7

20 Jahre LAG, Termin

Übersicht aus Niederschriften

Burgard

Rosenau

8

Archivierung, Sondergespräch

Bader, Burgard, Rosenau, U. Holdt, Gäste

 

 

T0P  1   Begrüßung, Anwesenheit, Tagesordnung

Der Vorsitzende dankt Dr. Thomas Grotum, dass er die virtuelle Sitzung erneut ermöglicht und moderiert.

 

TOP 2   Gedenken der Opfer der Krankenmorde - Schwerpunktthema heute

Bericht: Renate Rosenau

 

2.1 Tagungsband der Landestagung "NS-Rassenhygiene, Zwangssterilisation, Krankenmorde – Regionale Perspektiven auf den Raum des heutigen Rheinland-Pfalz. Koblenz, Bundesarchiv, 31. Januar bis 1. Februar 2018, Einladung des Landtages RLP

hier: Sachstand

Der Tagungsband, der für Reihe der Veröffentlichungen der Geschichtskommission des Landtags geplant war, ist bisher nicht erschienen. Bedauerlicherweise ist damit das Ziel verfehlt, die Ergebnisse für diese Opfergruppe in einem Band für Rheinland-Pfalz zu veröffentlichen.

Ein Referent hat seinen Beitrag inzwischen an anderer Stelle veröffentlicht. Dennoch wird der Tagungsband für notwendig erachtet.

Beschluss: Dieter Burgard wird mit dem Landtagspräsidenten sprechen.

2.2. Gedenkportal Opfer der NS-Krankenmorde aus RLP von LpB geplant

Uwe Bader und Mitteilung Ulrike Holdt, Doku-Zentrum Osthofen, vom 18.02.2021

 

Für die Opfer der Krankenmorde bestehen zwei Excel-Datenbanken, in den letzten drei Jahrzehnten von LAG-Mitgliedern erarbeitet, wurde eine Lösung für die dauerhafte Nutzung gesucht:

(1) AG NS-Psychiatrie Alzey/Rheinhessen (John / Rosenau), erweitert um Patienten aus dem gesamten heutigen Rheinland-Pfalz, von denen im Bundesarchiv Patientenakten vorliegen,

(2) Ehemalige Israelitische Heil- und Pflegeanstalt Sayn (Schabow / Rosenau).

Beide Datenbanken sind auf den persönlichen Rechnern von Herrn Schabow und Frau Rosenau gespeichert, werden kontinuierlich aktualisiert und dienen der Beantwortung von Anfragen von Angehörigen und Autoren, die sich mit dieser Thematik befassen, darunter Fach- und Studienarbeiten von Gymnasiast*innen und Studierenden. Die Alzeyer Datenbank wurde in einer früheren Fassung dem Landesarchiv Speyer übergeben. Die Rheinhessen-Fachklinik Alzey hat eine Fassung mit den ehemaligen Alzeyer Opfern.

 

Nachdem beim Landeshauptarchiv keine Möglichkeit einer Veröffentlichung besteht, hat die Landeszentrale für politische Bildung die Erarbeitung eines Online-Gedenkportals der NS-Kranken-morde übernommen mit dem Ziel, möglichst viele Opfer aus Rheinland-Pfalz zu erfassen. Dazu teilt Frau Ulrike Holdt, NS-Dokumentationszentrum Osthofen mit:

"- Noch in diesem Jahr sollen Ihre Daten in unsere Archivdatenbank übernommen werden. Sollte sich nach dem Import der Daten herausstellen, dass Korrekturen, z.B. von Datumsformaten notwendig sind, würden Sie uns dabei unterstützen.

- Für den Doppelhaushalt 2022/23 stellt die LpB Mittel für einen kleinen Werkvertrag bereit, um vorhandene Daten über rheinland-pfälzische „Euthanasie“-Opfer anderer Einrichtungen (z.B. Klingenmünster, Hadamar…) zusammenzuführen, abzugleichen und ein Konzept für ein Online-Portal mit Recherchefunktion zu entwickeln. Technisch wird man hier auf die Erfahrungen zurückgreifen können, die wir dieses Jahr mit der Online-Stellung unserer Datenbank zu den Häftlingen des KZ Osthofen sammeln werden. "

Die Arbeit an dem Gedenkportal wird in mehreren Schritten erfolgen mit dem Ziel der Bereitstellung 2023.

Nächste Schritte:

- Ermittlung des Sachstandes und des erforderlichen Recherchebedarfs. Gespräch Holdt/Rosenau im Mai in Osthofen.

- Frau Rosenau wird zur nächsten Sitzung des Sprecherrats eine Übersicht über die bereits erfassten und die noch nicht erfassten Opfer (samt Quellen) und den offenen Forschungsbedarf vorlegen.

Der Sprecherrat begrüßt diese Entwicklung und wird sie unterstützen.

 

 

2.3 Zu den Opfern der NS-Krankenmorde

Bericht. Renate Rosenau

Der "Gnadentod", der "unheilbar Kranken bei kritischster Beurteilung ihres Krankheitszustandes gewährt" werden sollte, wurde von zwei getarnten Dienststellen in organisiert: von der Zentraldienststelle in der Tiergartenstraße 4 in Berlin und für Kinder vom "Reichsausschuss zur wissenschaftlichen Erfassung erb- und anlagebedingter schwerer Leiden". Beide unterstanden der "Kanzlei des Führers", die abseits der Politik von Staat und Partei für besondere Anliegen wie Petitionen zuständig war. Wegen fehlender Rechtsgrundlagen (ein Gesetz sollte angeblich nach dem Krieg beschlossen werden) erfolgten beide Aktionen als geheime Reichssachen unter vielfacher Tarnung, Täuschung und Urkundenfälschung (Sterbeurkunden).

 

Die Geisteskranken (Begriff des 19. Jahrhunderts, heute psychisch Kranke, Beeinträchtigte bzw. auch Bewohner) aus Rheinland-Pfalz waren in unterschiedlicher Weise betroffen, auch abhängig von ihrer geographischen Lage bzw. ihrer Zugehörigkeit zu drei verschiedenen Ländern (Preußen, Hessen, Bayern). Beispielsweise wurden mit Kriegsbeginn 1939 quasi über Nacht alle Kranken samt Personal vom pfälzisch-bayerischen Klingenmünster aus der Roten Zone in bayerische Anstalten verlegt, die rheinhessischen Alzeyer Patienten mit Beginn des Westfeldzuges im Mai 1940 in rechtsrheinische hessische Anstalten. Die Landesheilanstalt Andernach (preuß. Rheinprovinz) diente ebenso wie die privaten Heime Scheuern (preuß. Provinz Hessen-Nassau) als Zwischenanstalten zur Tötungsanstalt Hadamar (preuß. Hessen-Nassau).

 

Jüdische Patienten:

Seit den Nürnberger Rassegesetzen von 1935 wurde die "gemeinsame Unterbringung von Juden und Deutschen in Heil- und Pflegeanstalten als nicht tragbar" beanstandet, die physische Trennung gefordert, die sich aber innerhalb von Anstalten nicht durchhalten ließ.

Im Sommer 1940 liefen Sondermaßnahmen für jüdische Patienten an. Jüdische Patienten wurden in regionale Sammelanstalten und von dort in Tötungsanstalten gebracht, z.B. am 1. Oktober 1940 von Gießen nach Brandenburg/Havel und am 4. Februar 1941 von Heppenheim nach Hadamar.

 

Im Dezember 1940 wurde die Jacoby'sche Anstalt Sayn durch das Reichsinnenministerium zur einzigen Aufnahmeanstalt für jüdische Patienten aus dem Deutschen Reich bestimmt. Mehrere hundert Patienten wurden aus ihren Heimatanstalten nach Sayn zwangsverlegt. Über 600 Personen, Patienten und Personal, wurden 1942 den Deportationszügen in Vernichtungslager des Ostens angeschlossen, im Programm der "Endlösung der Judenfrage". Warum sie nicht in die nahe Tötungsanstalt Hadamar gebracht wurden, hängt vermutlich mit deren hoher Auslastung und dem plötzlichen Stopp Mitte August 1941 zusammen.

Patienten, die vor den Deportationen von Sayn entlassen worden waren, meist nach Hause, gerieten von dort in T4-Maßnahmen oder Deportationen.

 

Nach 1945 wurde dem überlebenden Personal - ein Arzt, zwei Pflegekräfte - "Euthanasie" vorgeworfen. Diese Anschuldigung wurde 1945/1946 durch offizielle Stellen widerlegt. Der überlebende Arzt war 1947 zu zwei Nürnberger Nachfolgeprozessen (Ärzte, Juristen) als Zeuge geladen. Dennoch zieht sich dieser Vorwurf ungeprüft bis heute durch Fachliteratur .Auch im Gedenkbuch des Bundesarchivs "Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 - 1945" war für eine Reihe von Patienten, die 1940 -1942 in Sayn gestorben waren, "Euthanasie" als Todesursache angegeben. Nach der Veröffentlichung des Gedenkbuches als online-Portal 2006 habe ich mit dem Bundesarchiv für die Richtigstellung gesorgt.

 

Für Kinder

entstanden 1940 Kinderfachabteilungen an über 30 Heil- und Pflegeanstalten. Wenn diese nach ärztlicher Begutachtung vom "Reichausschuss" in Berlin eine "Behandlungsermächtigung" erhielten, wurden die Kinder eingeschläfert. Kinder aus dem heutigen Rheinland-Pfalz kamen in Kinderfachabteilungen in Waldniel bei Mönchengladbach, Kalmenhof bei Idstein und Eichberg bei Eltville ums Leben.

 

siehe Anhang: NS-Tötungsmaßnahmen, Einbeziehung von Patienten aus dem Gebiet des heutigen RLP.

 

 

TOP 3   Berichte

AG Klausurtagung

Die Arbeitsgruppe hat in weiteren Treffen Inhalte und Arbeitsweise präzisiert (Siehe Niederschrift vom 4. Februar 2021, TOP 3.). Es besteht Einvernehmen, dass die Klausurtagung nur unter Präsenzbedingungen sinnvoll ist. Sobald sich die Möglichkeit auftut, wird eingeladen.

In Vorbereitung sind Unterlagen für eine eventuelle Vereinsgründung: Selbstverständnis, Satzungsentwurf.

 

LAG Dialog, Bericht Maurice Kuhn

- Nach der Verschickung der Sonderausgabe des Dialogs zur Wahlprogrammen der Parteien kamen zahlreiche positive Rückmeldungen, u.a. von Bernhard Kukatzki, Direktor LpB RLP.

- Ebenfalls gab es einige positive Rückmeldungen und „Dankeschöns“ auf die Sonderausgabe des Dialogs zur Handreichung zum Einsatz von digitaler Medien in der Gedenkarbeit.

- Zurzeit ist eine weitere Ausgabe für April in Planung; eine Bitte um Einsendungen wurde an die Mitgliedsinitiativen bereits verschickt und die Infos werden von der Redaktion gerade gesammelt

- das kommende Jubiläum der LAG soll bei einer Dialog-Ausgabe behandelt werden.

 

TOP 4 Fonds Erinnern und Gedenken

bitte beim Sprecherrat anfragen

 

TOP 5   Verband der Gedenkstätten in Deutschland e.V

Bericht Dr. Ratter

Die Formalitäten der Vereingründung sind auf den Weg gebracht (siehe TOP 3 vom 14.12.2020),

Die nächste Sitzung ist für den 1. Juni 2021 in Berlin geplant.

 

TOP 6   Info-Tagung der Landeszentrale am Samstag, 12. Juni 2021, Gedenkstätte Osthofen, 10:00 - 13:15 Uhr, im Freien, am Nachmittag LAG-Mitgliederversammlung.

Bericht Annika Heinze und Uwe Bader.

 

Die Einladung soll, sofern die Corona-Entwicklung es zulässt, Anfang Mai verschickt werden. Die LpB hat derzeit alle Präsenzveranstaltungen bis Ende April storniert.

LAG-Mitglieder können Fahrtkostenzuschuss beantragen.

Das Programm für die Info-Tagung steht wie vorgestellt (siehe Niederschrift vom 04.02.21, TOP 8). Frau Dr. Winkler wird in ihrem Beitrag über die Verfolgung der "Asozialen" und der "Berufsverbrecher" auch die Arbeit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, deren Beirat Frau Dr. Winkler angehört, zu diesem Thema vorstellen, (internationale Tagung, Wanderausstellung, vgl. Niederschrift vom 3. Juni 2019, TOP 3).

 

Mitgliederversammlung:

Als Themen werden vorgeschlagen:

- 20 Jahre LAG - dazu eine eigene Veranstaltung, siehe TOP 7

- Forum - Verband der Gedenkstätten in Deutschland e.V. (Dr Ratter)

- Handreichung für digitale Kommunikation in der LAG-Arbeit (Maurice Kuhn)

- Neue digitale Medien (Christof Pies).

 

TOP 7   20 Jahre LAG am 1. April 2021

Für die Würdigung der 20jährigen ehrenamtlichen Arbeit der LAG und ihrer Mitglieder wird ein parlamentarischer Abend oder eine entsprechende andere Form im Herbst verbunden mit einer Presseerklärung vorgeschlagen. Herr Burgard wird sich um einen Termin bemühen.

 

Frau Rosenau hat mit der Auswertung der Niederschriften aus den 20 Jahren begonnen. Eine Liste der Mitglieder des Sprecherrats aus den zehn Wahlperioden und eine Liste der Fachtagungen wurde per Mail verteilt. Eine Excel-Liste, aus denen Sitzungen und thematische Schwerpunkte hervorgehen, wird gemailt. Eine weitere Liste, aus der die Inhalte der Info-Tagungen. verbunden mit den Mitgliederversammlungen, folgt. Die LAG wurde bei der 11. Info-Tagung am 1. April 2001 in Mainz gegründet.

 

TOP 8   Archivmaterial etc.

LAG-Mitglieder haben sich erkundigt, wohin sie ihre Sammlungen geben könnten. Im Gespräch wird von Erfahrungen und Möglichkeiten berichtet.

Für künftige Nutzung von archivwürdigem Material aus privaten Sammlungen wird genannt:

- Abgabe als Nachlass an ein Archiv, z.B. Orts- oder Regionalarchiv oder eine themenspezifische Sammlung (z.B. Osthofen), - siehe Anhang, Muster eines Depositionalvertrages (NS-Dokumentationszentrum Osthofen),

- Sicherung der Arbeitsergebnisse als Beiträge auf einer Website.

-Digitalisierung von Originalquellen und Abgabe der Digitalisate an ein öffentliches Archiv.

Dass Arbeitsergebnisse weiter genutzt werden können, setzt ihre archivische Bearbeitung (Verzeichnung, Findbücher, Online-Bestandsübersichten) voraus, das ist in kleineren Archiven oft problematisch.

Hilfreich wäre die Zusammenstellung von vorhandenen Sammlungsschwerpunkten in RLP.

Vorgeschlagen wird ein Sonder-Gespräch über die Möglichkeiten der Übergabe von Sammlungen.

Dr. Grotum weist auf das Projekt am Fachbereich III der Universität Trier "Digitaler Erinnerungsatlas der Großregion. Eine grenzüberschreitende Plattform für die Erschließung von Geschichtsräumen im Internet"1. Integriert sind u.a. didaktische Materialien und Angaben zu Personen, die nicht mehr Sperrfristen unterliegen. In diesem ortsbezogenen Projekt sind inzwischen 500 Orte aus Rheinland-Pfalz erfasst.

 

TOP 9 Verschiedenes  

 

TOP 9.1 Gründung einer Koordinierungsstelle für jüdisches Leben in Rheinland-Pfalz in Schloß Simmern wurde erneut auf den 24. November 2021 verschoben. Christof Pies teilt mit:

 

Am Vorabend 23.11.2021 19:00 Uhr Simmerner Stadtgespräch im Pro-Winzkino Simmern, eingeladen: Was ist Antisemitismus? Vortrag mit moderierter Diskussion

Referent: Dr. Meron Mendel, Direktor der Anne-Frank Bildungsstätte 

Kooperationspartner: Pro-Winzkino Simmern, Hunsrück-Museum., Buchhandlung Schatzinsel, Stadt Simmern, Förderkreis Synagoge Laufersweiler, Rhein-Hunsrück-Zeitung.

Kontakt: Christof Pies Telefon 06762 5269, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

24.11.2021 10:00 – 17:00 Uhr Tagung im Hunsrück-Museum (Schloss Simmern)

Erstes Treffen zur Gründung einer Koordinierungsstelle für jüdisches Leben in Rheinland-Pfalz

Kooperationspartner: Antisemitismusbeauftragter Dieter Burgard, LAG, Förderkreis Synagoge Laufersweiler e.V., Hunsrück-Museum Simmern,

Ansprechpartner: Dieter Burgard, Beauftragter der Ministerpräsidentin für jüdisches Leben und

Antisemitismusfragen.

 

9.2. Veröffentlichungen, Hinweise von Christof Pies

Oberwesel und Bacharach

In Oberwesel und Bacharach wird ab Ende Juni wird ein Theaterfestival „An den Ufern der Poesie“ stattfinden, maßgeblich gestaltet vom Praml-Theater Frankfurt unter besonderer Berücksichtigung von Heinrich Heine. Für Begleitveranstaltungen haben sich unter der Leitung des Mittelrhein-Zweckverbandes viele Organisationen zusammengetan, die das jüdische Leben mit dem unsäglichen Werner-Kult zum Thema haben. Der Förderkreis Laufersweiler wird seine in Simmern abgebaute Ausstellung dort teilweise zeigen können. Zudem ist ein Forschungs- und Studienzentrum in Oberwesel geplant, das sich des jüdischen Lebens und vor allem der europäischen Bedeutung der Werner-Ritualmordlüge annimmt.

Dazu ein epochemachendes Buch:

Walter Karbach, Werner von Oberwesel. Ritualmordlüge und Märtyrerkult. Über den „Guten Werner“, bestattet 1287 zu Bacharach (Karbach Verlag Oberwesel/Trier, 2020)

 

"Lebensunwert" - Entwürdigt und vernichtet.

Zwangssterilisation und Patientenmorde im Nationalsozialismus im Spiegel der Quellen des Landeshauptarchivs Koblenz. Begleitband zur Ausstellung vom 6.12.2017 bis 31.3.2018.

Hrsg. Elsbeth Andre, Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, Bd. 126.

 

9.3 Landeszentrale für politische Bildung

Bericht Bader, Heinze, Mertes:

Nach allgemeinen Haushaltsbestimmungen muss die LpB 95.000 € einsparen, davon entfallen 40.000 bis 45.000 € auf die Gedenkarbeit (Referat 2 ).

Hinzert, Anbau von zwei Seminarräumen und einem Büroraum.

 

9.4 Aktuelle Informationen zum Festjahr 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

unter #2021JLID [Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!]

 

9.5 Landesausstellung „Gurs 1940″

Die Deportation und Ermordung der Jüdinnen und Juden aus Südwestdeutschland

im Historischen Museum der Pfalz, Speyer, und in der Französischen Botschaft in Berlin

Eröffnung am Donnerstag, 08.04.2021, 16 Uhr per Livestream

aus dem Historischen Museum der Pfalz Speyer, zu sehen auf dem YouTube-Kanal des Bezirksverbands Pfalz , Laufzeit 09. April bis 23. Mai 2021

Wanderausstellung „Gurs 1940
ist als mobile Variante für Pfälzer Städte, Gemeinden, Museen oder Initiativen kostenfrei beim Bezirksverband buchbar. Sie ist im Anschluss an die Laufzeit in Speyer in verschiedenen pfälzischen Landkreisen und Gemeinden bis Ende 2022 zu sehen.

siehe https://www.bv-pfalz.de/gedenken-erinnern/80-jahre-gurs/

 

9.6. Partnerland Ruanda - Erinnerungsarbeit zum Genozid 1994

Dr. Franz-Josef Ratter berichtet von einem Gespräch, in dem sich vier in der Erinnerungsarbeit tätige Gruppierungen über die Thematisierung des Genozids in Ruanda 1994 in Deutschland austauschten: Dr. Auernheimer, Präsident des Partnerschaftsvereins Rheinland-Pfalz/ Ruanda e.V. Verein IBUKA Erinnerung und Gerechtigkeit e.V. Heidelberg, der Freundeskreis Givat Haviva Deutschland e.V. und Dr. Ratter, den Dr. Auernheimer aufgrund seiner Erfahrungen in Ruanda zu dem Gespräch gebeten hatte. Dr. Ratter war seit 2012 als Zahnarzt sieben Mal im Einsatz in Ruanda, hat Gedenkorte des Genozid 1994 besucht und berichtet von der Andersartigkeit der Gedenkarbeit dort. In dem Gespräch ging es um die mögliche sinnvolle Zusammenarbeit und um ein Denkmal für den Genozid in Mainz.

Vorausgegangen war eine Online-Veranstaltung am 25. und 26. November 2020, zu der der Landtag Rheinland-Pfalz unter dem Titel „Erinnern und Gedenken im Ländervergleich: Israel, Ruanda, Deutschland“ eingeladen hatte und bei der Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik, von Gedenkstätten und Zivilgesellschaft aus den drei Ländern über unterschiedliche Erinnerungskulturen debattierten. [siehe https://www.landtag.rlp.de/de/aktuelles/detail/news/detail/

News/erinnern-und-gedenken-in-israel-ruanda-und-deutschland/]

 

Dr. Ratter schlägt vor, das Thema der Erinnerungsarbeit in Rwanda in einer Info-Tagung aufzugreifen, die Schaffung eines Erinnerungsortes/Denkmals thematisch zu begleiten und eine Studienreise nach Rwanda mit dem thematischen Schwerpunkt der Auseinandersetzung mit der 'Erinnerungs- und Gedenkkultur in Rwanda'. Diese Vorschläge treffen auf Interesse. Nächste Tagesordnung.

 

9.7 Kriegsende und Befreiung

Schleswig-Holstein: Aufruf Initiativkreis Schleswig-Holstein

Landesgedenkstättentagung vom 13. bis 15. August: „Abwehr und Aneignung. Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus nach 1945 - und heute?"

In Schleswig-Holstein ist der 8. Mai erstmals ein offizieller Gedenktag.

 

Niedersachsen: Geschichten der Befreiung- social Media Aktion 1. April bis 8. Mai

Initiiert durch die KZ-Gedenkstätte Moringen sowie die Gedenkstätten Gestapokeller und Augustaschacht hat die Interessengemeinschaft Niedersächsischer Gedenkstätten zum Social-Media-Projekt aufgerufen:   #geschichtenderbefreiung - eine social-Media-Aktion für Gedenkstätten und Initiativen. Downloads unter https://www.gedenkstaetten-niedersachsen.de/aktivitaeten/mitteilungen/.

 

9.8 Antisemitische Straftaten in Rheinland-Pfalz

Bericht: D. Burgard. Nach Auskunft des Innenministeriums ist die Anzahl der antisemitischen Straftaten im letzten Jahr erstmals gesunken. Nicht dabei sind Vorfälle, die nicht von der Staatsanwaltschaft bearbeitet werden. siehe Anlage

 

 

9.9. nächster Sprecherratstermin : Mittwoch, 5. Mai 2021, 15.00 Uhr virtuell

Niederschrift:

 

Renate Rosenau siehe Anhänge zu TOP 2, TOP 8, TOP 9.8

 

Anhang zu TOP 2: NS-Krankenmorde

(Auswahl, noch nicht vollständig)

"Geisteskranke" (Begriff des 19. Jh., heute psychisch Kranke bzw Beeinträchtigte)

sowie Personen in Sicherungsverwahrung, die gemeingefährlich begutachtet waren,

auch Zwangsarbeiter*innen mit psychischen Störungen.

Die Kapazität der Tötungsanstalten wurde nach 1941 auch für andere Tötungs-Aktionen genutzt, so z.B. für die Tötung arbeitsunfähiger Zwangsarbeiter/innen (14 f 13).

 

Maßnahmen

Rheinland-pfälzische Patienten

1940/1941 Erste Phase

Die Zentraldienststelle T4 rüstete sechs Heil- und Pflegeanstalten im Deutschen Reich mit Gaskammern und Krematorien zu Tötungsanstalten um. Über sog. Meldebögen wurden die angeblich unheilbaren Patienten nach Berlin gemeldet und von Ärzten zur Tötung ausgewählt, tatsächlich war Arbeitsfähigkeit ein wesentliches Auswahlkriterium. Im August 1941 wurde diese Ermordungen plötzlich gestoppt, in dieser ersten Phase waren bereits über 70.000 Kranke umgebracht worden.

 

Die meisten Opfer starben in der Tötungsanstalt Hadamar.

 

Besonderheiten:

HuP Klingenmünster (Bayern), (Pfalzklinikum), gelegen in der Roten Zone, wurde 1939 bei Kriegsbeginn evakuiert, innerhalb eines Tages wurden Patienten und Personal in bayerische Anstalten verteilt. Von dort gerieten sie in die Tötungsanstalten Grafeneck, Schloß Hartheim bei Linz/Donau, Pirna/Sonnenstein bei Dresden.

LHPA Alzey (Hessen) (Rheinhessen-Fachklinik): 1940 währen des Westfeldzugs Evakuierung in rechtsrheinische Anstalten, die meisten kehrten im Herbst zurück. Die Verlegungen in Richtung Hadamar begannen im Januar 1941 (Juden), danach 9 weitere Transporte, zurück blieben 140 Arbeitsfähige.

LHPA Andernach (preuß. Rheinprovinz) (Rhein-Mosel-Klinik Andernach) diente als Zwischenanstalt für Hadamar für Patienten aus der Rheinprovinz, darunter das heutige nördl. RLP

Heime Scheuern (preuß. Provinz Hessen-Nassau) (Stiftung Scheuern) dienten als Zwischenanstalt für Patienten aus Hessen-Nassau, dem Saarland, aus Rheinhessen.

1942 bis 1945 zweite Phase

Die Tötungen wurden mit anderen Mitteln - Nahrungsentzug, Hungerkost, Gift - an noch mehr Anstalten fortgesetzt.

 

Besonderheit:

Die Diakonie Bad Kreuznach (Stiftung kreuznacher Diakonie) mit acht Heinen entlang der Nahe hatte sich geweigert, die Meldebögen für die T4-Zentrale auszufüllen. Im Mai 1943 wurden 43 Bewohner nach Wartha im heutigen Polen und 100 Bewohner, darunter viele Kinder, nach Wien verlegt, im Mai 1944 99 Bewohner nach Meseritz-Obrawalde im heutigen Polen. Einzelne kamen nach 1945 zur Diakonie Bad Kreuznach zurück.

 

Kinder ab 1940 "Reichsausschusskinder"

an über 30 Heil- und Pflegeanstalten sog. "Kinderfachabteilungen" eingerichtet. Nach einer "Behandungsermächtigung" des Reichsausschusses Berlin starben schätzungsweise 5000 Kinder durch die Überdosierung von Schlafmitteln.

Kinderfachabteilungen

für Kinder aus der Rheinprovinz (nördl RLP):

- Waldniel bei Mönchengladbach, Außenstelle der Heilanstalt Süchteln-Johannistal (für nördliches RLP),

- Landesheilanstalt Eichberg bei Eltville, (Rheinhessen, Pfalz,

- Heilerziehunganstalt Kalmenhof bei Idstein, (Rheinhessen)

 

Jüdische Patienten

1. ab 1940 Sondermaßnahmen: Sammlung jüdischer Patienten in Sammelanstalten (Gießen, Heppenheim), Sammeltransport in Tötungsanstalten

 

2. ab Dez. 1940 "physische Trennung" Verlegung der "heilbaren" Kranken aus dem Deutschen Reich in die Jacoby'sche Anstalt Sayn, die der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland unterstand, über die aber im Reichssicherheitshauptamt entschieden wurde

1. Oktober 1940: Gießen- Brandenburg-Havel (mit Pat. aus Alzey)

4. Februar 1941: Heppenheim - Hadamar (Pat aus Baden, Pfalz, Rheinhessen),

sowie Andernach-Hadamar (preußische Provinzen)

 

 

Die Jacoby'sche Anstalt konnte nicht alle gemeldeten Patienten aufnehmen. Patienten und Personal fielen nicht der "Euthanasie"-Aktion zum Opfer, sondern der "Endlösung der Judenfrage" - vermutlich wegen des Abbruchs der Gasmordaktion im August 1941 auch im nahen Hadamar.

Zwischen März und November 1942 wurden fast 600 Personen, Patienten und Personal, drei Deportationszügen in Vernichtungslager im Osten angeschlossen, die letzten beiden Gruppen kamen in das Jüd. Krankenhaus Berlin, von dort nach Theresienstadt bzw. Auschwitz. Einzelne haben überlebt.

 

Anhang zu TOP 8 Archivmaterial

hier: Depositionalvertrag NS-Dokumentationszentrum Rheinland-Pfalz in Osthofen 2013


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anlage zu TOP 9.8

 

  

 

Stand 26.2.2021

2010

2011

2012

2013

2014

2015

2016

2017

2018

2019

2020

Körperverletzung

1

1

2

1

1

 

1

1

2

1

 

Sachbeschädigung

1

4

3

1

3

1

2

 

4

4

4

Bedrohung/Nötigung

2

 

 

 

 

1

 

 

 

1

1

Störung der Totenruhe

2

1

3

3

 

 

 

 

 

 

1

Volksverhetzung

20

12

26

23

20

15

17

16

21

28

28

Propagandadelikte
(§§ 86, 86a StGB)

15

8

11

9

5

5

5

1

5

13

8

andere Straftaten

2

4

2

1

2

3

1

3

 

3

4

Straftaten gesamt

43

30

47

38

31

25

26

21

32

50

46

davon Gewaltdelikte

1

1

2

1

1

-

1

1

2

1

0

aufgeklärte Fälle

18

13

26

15

15

11

13

16

15

25

25

Aufklärungsquote

41,9%

43,3%

55,3%

39,5%

48,4%

44,0%

50,0%

76,2%

46,9%

50,0%

54,3%

 

 


1  https://www.uni-trier.de/universitaet/fachbereiche-faecher/fachbereich-iii/faecher/geschichte/profil/fachgebiete/neuere-und-neueste-geschichte-3/personen/dr-thomas-grotum/forschungsprojekte/projekt-digitaler-erinnerungsatlas-der-grossregion. Die achtköpfige Projektgruppe an der Universität Trier wird von Dr. Michael Schulz und Dr. Thomas Grotum (zugleich Forschungsprojekt zur Geschichte der Gestapo) geleitet. W. Stegmann kümmert sich um die technische Entwicklung der digitalen Plattform. Oksana Petruk und Lennard Schmidt beteiligen sich an der konzeptionellen und inhaltlichen Weiterentwicklung und besorgten die Dateneingabe. Die Arbeit wird zudem vom Arbeitskreis ‚Erinnerung in der Großregion‘ e.V. unterstützt. Seit Mitte 2020 sind ferner Dorothea Seiler, Sebastian Opp, Kristin Koster, Luisa Gärtner und Destina Haroglu an dem Projekt beteiligt.

Zur Großregion siehe http://www.grossregion.net:

Deutschland: Saarland und Rheinland-Pfalz; Frankreich: Lothringen; Luxembourg: das Großherzogtum Luxemburg
Belgien: die Wallonie, die Fédération Wallonie-Bruxelles und die Deutschsprachige Gemeinschaft

 

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