Niederschrift der Sitzung des Sprecherrates am Mittwoch, den 5. Mai 2021

virtuell

15:00 Uhr bis 17:20 Uhr

 

Nächster Sprecherratstermin: Donnerstag, 1. Juli 2021, 15:00 Uhr, vermutlich virtuell.

 

Anwesende (x) entschuldigt (e):

X

Dieter Burgard, Vorsitzender

 

X

Georg Mertes

X

Joachim Hennig, stellv. Vorsitzender

 

X

Christof Pies

e

Eberhard Dittus

 

X

Dr. Franz-Josef Ratter

X

Dr. Cornelia Dold

 

X

Axel Redmer

X

Alice Fuß

 

X

Renate Rosenau

X

Dr. Thomas Grotum

 

X

Ksenia Stähle-Müller

X

Lena Haase

 

e

Dr. Ulrike Winkler*)

X

Richard Keuler

 

 

Ständige Gäste LpB:

e

Nina Klinkel MdL

 

X

  Uwe Bader

X

Maurice Kuhn

 

X

  Annika Heinze

*Ulrike Winkler vertreten durch Matthias Spartz, AG Frieden Trier.

 

Beschlüsse / Aufträge

TOP

Thema

Auftrag

TOP 1

Zum Tod von Raymond Wolff

Rosenau, dialog-Team

TOP 1

Niederschrift

Rosenau, künftig Dr. Cornelia Dold

TOP 2.1

Tagungsband Landeskonferenz

Burgard

TOP 3

Info-Tagung und Mitgliederversammlung am 12. Juni

Falls virtuell: Online-Moderation Dr. Grotum / Lena Haase

TOP 4

20 Jahre LAG

Alle, Rückmeldung bis 15. Mai

TOP 4

20 Jahre LAG, Jubiläumsveranstaltung

Burgard (Landtag)

TOP 9.2

Gedenkarbeit in Ruanda

Nächste Tagesordnung

 

 

TOP 1           Begrüßung, Anwesenheit, Tagesordnung, Mitteilungen, Niederschrift

Die Reihenfolge der TOPs der Einladung wird wie folgt geändert: TOP 6 wird TOP 3 und TOP 7 wird TOP 4.

 

Der Vorsitzende dankt Dr. Grotum und Lena Haase für die Moderation der virtuellen Sitzungen des Sprecherrats und dem Redaktionsteam Dr. Ratter, Maurice Kuhn und Alice Fuß für ihre Arbeit an „dialog“.

 

Der Sprecherrat trauert um Raymond Wolff, Gründungsmitglied der LAG für den Museumsverein Synagoge Staudernheim e.V. und dessen Vorsitzender. Er ist am 27.April .an seinem Wohnsitz Berlin unerwartet gestorben und wird am 7. Mai auf dem jüdischen Friedhof Berlin-Weissensee beigesetzt. Seine neueste Veröffentlichung „Schreie auf Papier“, den Briefwechsel seiner im Holocaust umgekommenen Großeltern aus Nackenheim mit ihren emigrierten Söhnen in New York steht unmittelbar bevor. Die LAG hat diese Herausgabe aus dem Fonds finanziell gefördert. Siehe dazu den Beitrag von seinem Freund Hans-Dieter-Graf, in der Allgemeinen Zeitung. Siehe Anlage.

 

Beschluss: Ein Nachruf soll im nächsten „dialog“ erscheinen. Frau Rosenau wird Herrn Hans Dieter Graf um die Genehmigung der Übernahme des Artikels bitten.

 

Der Sprecherrat gratuliert Otmar Weber, Gründungsmitglied der LAG und langjähriger Vorsitzender des Arbeitskreises Judentum im Wasgau, Dahn, zur Verleihung des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland am 29. April durch Staatsminister Wolf.

 

Änderung der Schriftführung

Bei der Mitgliederversammlung im Herbst finden Neuwahlen zum Sprecherrat statt.

Renate Rosenau bittet darum, die Schriftführung schon jetzt in andere Hände zu geben, damit sie sich der Erarbeitung des Gedenkportals für die Opfer der NS-„Euthanasie“ (siehe TOP 2.2 und Niederschrift vom 18.03.2021) widmen kann. Frau Dr. Cornelia Dold ist bereit, die Schriftführung zu übernehmen.

 

 

TOP 2   Berichte

2.1 Gedenken der Opfer der Krankenmorde: Gedenkportal

Tagungsband der Landestagung Januar/Februar 2018: Der Vorsitzende hat den Landtagspräsidenten Hendrik Hering angeschrieben, eine Antwort steht noch aus. D. Burgard wird nachfragen. Antwort erhalten.

 Das erste Treffen der Arbeitsgruppe „Gedenkportal für die Opfer der NS-„Euthanasie“ aus Rheinland-Pfalz“ in Osthofen findet am Montag, den 17. Mai 2021, 10:00 Uhr, Osthofen statt, virtuell, wahlweise auch mit Präsenz.

Frau Rosenau hat mit Dr. Stefan Elsner, dem Vertreter des Landeskrankenhauses in der LAG und früherem Leiter der Rhein-Mosel-Klinik Andernach Kontakt aufgenommen. Die bisher nur anonymisiert veröffentlichte Liste der Andernacher Opfer wird zur Verfügung gestellt. Frau Rosenau schlägt vor, Herrn Dr. Elsner mit in die Arbeitsgruppe und eine(n) Vertreter(in) des Pfalzklinikums Klingenmünster einzubeziehen.  

 

2.2 Künftige Aufbewahrung von Nachlässen und Sammlungen mit NS-Bezug in RLP

Siehe Niederschrift vom 18. März 2021, TOP 8.

Die Gedenkstätte Osthofen hat zu einem Brainstorming für Montag, 28. Juni 2021, 10:00 – 12:00 Uhr, eingeladen. Teilnehmende: Uwe Bader und Ulrike Holdt, Osthofen, und Dr. Rummel, Direktor des Landesarchivs Speyer, Renate Rosenau.

 

 

2.3 Entwurf des Koalitionsvertrages von SPD, Bündnis90/DIE GRÜNEN und FDP „KOALITION DES AUFBRUCHS UND DER ZUKUNFTSCHANCEN, hier: Auszüge. Bericht Dieter Burgard

 

Demokratie und Europa

Demokratieerziehung geht für uns immer mit Erinnerungskultur einher. Die Auseinandersetzung und heutige Bedeutung unserer Geschichte wollen wir modern in die Zukunft entwickeln, um nie zu vergessen und Erinnerung neu zu interpretieren sowie zu bewahren.

 

Demokratie

Dazu gehört für uns eine gute Demokratiebildung in unseren Schulen, die Unterstützung von zivilgesellschaftlichen Initiativen oder die Unterstützung von aktiver Gedenkarbeit

 

Jüdische Gemeinden mit ihrem vielfältigen religiösen und kulturellen Leben sind in vielen Städten und Gemeinden wieder selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft geworden. Die Koalitionspartner sind hierfür dankbar. Das gegenwärtige kulturelle und religiöse Leben jüdischer Menschen zu unterstützen,

und die Geschichte jüdischer Menschen auf dem Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz in Erinnerung zu halten, ist für uns staatspolitische Verantwortung und Selbstverständlichkeit. Wir werden die Begegnung zwischen Schulen und jüdischen Gemeinden stärken. Wir wollen den Antisemitismus-Beauftragten in seiner Arbeit auch in Zukunft unterstützen und seine Rechtsstellung gesetzlich verankern.

 

Zeitgemäße Demokratiebildung und Gedenkarbeit

Wir wollen die Landeszentrale für politische Bildung stärken, die Zusammenarbeit mit dem Demokratiezentrum, mit Akademien, Schulen, Hochschulen und anderen Einrichtungen intensivieren. Durch einen einfachen Zugang zu diesen Einrichtungen wollen wir erreichen, dass Menschen jeden Alters die gleiche politische Bildung genießen können. Gegen die Ausbreitung von Verschwörungstheorien und Wissenschaftsfeindlichkeit setzen wir auch auf medienpädagogische politische Bildung. Wir wollen die Demokratiepädagogik in Kitas und Schulen fest etablieren. Die rheinland-pfälzischen Orte der „Straße der Demokratie“ wollen wir für Schulfahrten, bei Volkshochschulen und im Tourismuskonzept sichtbarer machen.

Die rheinland-pfälzischen Gedenkstätten und Gedenkorte sind wichtige Wegmarken unserer Geschichte und Erinnerung. Nicht alle Facetten der NS-Zeit sind bereits wissenschaftlich aufgearbeitet; gerade im Kontext lokaler Geschichte werden die Ausprägungen des Nazi-Regimes immer wieder für große Teile der Bevölkerung nachvollziehbar. Auch das reiche demokratische Erbe in Rheinland-Pfalz muss gepflegt werden. Wir sind offen dafür, weitere Gedenkorte von Gewicht zu erschließen. Eine wesentliche Säule unserer politischen Bildung ist Gedenkarbeit. Wir wollen eine gute Vernetzung zwischen Bildungseinrichtungen und Gedenkstätten. Wir wollen dafür sorgen, dass alle Schüler:innen mindestens einmal während der Schullaufbahn eine Gedenkstätte wie die Gedenkstätte KZ Osthofen und die Gedenkstätte KZ Hinzert oder einen Ort der Demokratie besucht haben.

 

Verfassungsänderung

Wir streben folgende Änderung der Verfassung an und werden dazu den Dialog mit den demokratischen Fraktionen im Landtag suchen:

- Einführung des Wahlalters mit 16 bei Kommunal- und Landtagswahlen,

- Ersetzung des „Rasse“-Begriffs in unserer Verfassung,

 

Struktur der Landesregierung

Die Koalitionsparteien vereinbaren folgende Struktur der Landesregierung:

- Ministerium des Innern und für Sport

- Ministerium der Finanzen

- Ministerium der Justiz

- Ministerium für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung

- Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration

- Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau

- Ministerium für Bildung

- Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit

- Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität

In welchem Ressort die Landeszentrale für politische Bildung und die Gedenkarbeit angesiedelt werden, ist noch nicht bekannt.

 

 

TOP 3 47. Informations-Tagung der Landeszentrale am Samstag, 12. Juni 2021,

Gedenkstätte Osthofen, Bericht Annika Heinze

 

Ob die Info-Tagung als Präsenzveranstaltung durchgeführt werden kann, hängt von der Entwicklung der 7-Tage-Inzidenzzahlen ab. Falls die Tagung virtuell erfolgen muss, ist Dr. Grotum für die Online-Moderation bereit. Frau Holdt entwickelt für die Durchführung einen Handzettel, der online mit der Einladung versandt wird.

Zu dem Hauptreferat von Prof. em. Dr. Frank Nonnenmacher erschien in der Allgemeinen Zeitung vom 8. Mai ein Beitrag über „Die ignorierten NS-Opfer – „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“ (geht dem Sprecherrat als E-Mail gesondert zu).

 

Mitgliederversammlung am Nachmittag

Als Themen werden vorgeschlagen:

- 20 Jahre LAG – kurz - dazu eine eigene Veranstaltung, siehe TOP 7

- Forum - Verband der Gedenkstätten in Deutschland e.V. (Bericht, Dr Ratter)

- Handreichung für digitale Kommunikation in der LAG-Arbeit (Maurice Kuhn)

- Neue digitale Medien, Erinnerungsarbeit in Pandemiezeiten (Christof Pies):

1. Museum Digital (Deutsch und Englisch): Objekte aus der Sammlung Synagoge Laufersweiler und aus anderen Synagogen auf dem Lande

https://nat.museum-digital.de/index.php?t=institution&instnr=792&navlang=de

 

2. "Erwachet aus dem langen Schlafe..." Jüdisches Leben auf dem Lande - Juden im Hunsrück. Digitale Umsetzung der Ausstellung im Hunsrück-Museum Simmern in 12 Kapiteln:

www.synagoge-laufersweiler.de, Unter "Ausstellung"

 

3. Digitale interaktive und multimediale Unterrichtseinheit "Vom Boykott zum Mord. Die Entrechtung und Verfolgung der jüdischen Hunsrücker von 1933 bis 1945. Eine Unterrichtseinheit in 3 Kapiteln". Wird noch im Mai freigeschaltet

www.synagoge-laufersweiler.de, Unter "Bildungsangebote"

 

4. Ein Erinnerungsspaziergang durch Laufersweiler (2020) auf Youtube (Länge 9:17)

https://www.youtube.com/watch?v=pugUcouKg6w

 

5. SWR 3 - Beitrag über Jüdisches Leben im Rheinland (17.1.2021 SWR 3): Verfolgt und umworben - Zweitausend Jahr jüdisches Erbe, Ein großer Teil über Laufersweiler

https://www.ardmediathek.de/video/bekannt-im-land/verfolgt-und-umworben-zweitausend-jahre-juedisches-erbe/swr-rheinland-pfalz/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzEzODYyMjg/

 

 

TOP 4   20 Jahre LAG 2001 – 2021

Die Presserklärung zum Jubiläum wurde von mehreren Tageszeitungen übernommen.

 

Übersicht über die Arbeit der LAG 2001-2021

Frau Rosenau hat eine Übersicht aufgrund der Niederschriften zusammengestellt und per E-Mail versandt. Die Zusammenstellung ist noch nicht lückenlos. Daher bittet Frau Rosenau alle Mitglieder der Sprecherrats um Meldung von fehlenden Angaben aus ihrer Sicht, u.a. zu den Aktivitäten der LAG-Mitglieder, die über den Fonds gefördert wurden. Termin: 15. Mai.

 

Jubiläumsveranstaltung

Der Sprecherrat spricht sich für eine Veranstaltung in Anbindung an den Landtag aus, z.B. als Parlamentarischer Abend. Herr Burgard wird die Möglichkeiten erfragen. Die Planung soll bei der nächsten Sitzung konkretisiert werden.

 

 

TOP 5   Rückblick auf Veranstaltungen, Bericht der AG Klausurtagung des Sprecherrats

Klausurtagung: Die Möglichkeit zur Präsenzveranstaltung wird abgewartet.

 

Rückblick auf Veranstaltungen: neue digitale Wege

Georg Mertes, Förderverein Hinzert, berichtet von einer ersten Online-Führung über das Gelände. Der Aufwand gegenüber einer Präsenzführung ist größer, da außer dem Führenden ein bis zwei Personen für die Aufnahmetechnik benötigt werden. Mit zwölf Teilnehmern bewertet Georg Mertes diese erste Online-Führung als Erfolg.

Dr. Grotum, Universität Trier, berichtet von einer Führung in Form einer Echtzeit-Reportage aus den „Stätten der Unmenschlichkeit“ aus dem „Erinnerungsatlas“ des Projektes der Großregion. Nach den Erfahrungen ist die Reportage vor Ort über die Nutzung von Smartphones nicht schwierig. Die Netzabdeckung in der Region mit WLAN ist recht gut.

 

Ksenia Stähle-Müller berichtet aus Koblenz von einem barrierefreien Projekt mit einer App zur Geschichte Koblenzer Juden. Teil der offiziellen App der Stadt Koblenz, dargestellt wird. Dies Projekt läuft über „KuLaDig - Kultur. Landschaft. Digital, -. (https://www.kuladig.de/),.

Christof Pies berichtet von der Digitalisierung der Ausstellung über das Hunsrücker Landjudentum im Schloß Simmern 2020/2021, die überwiegend durch den Förderverein selbst geleistet wurde. Die Hardware wurde gekauft, für einen Teil der Arbeiten wurden Fachleute bezahlt. Das Digitalisat wurde zweisprachig deutsch/englisch produziert und ist jetzt weltweit abrufbar. (siehe auch TOP 3).

 

Lena Haase berichtet von einem Netzwerk der Gedenkstätten „Geschichten der Befreiung“, ein Social Media-Projekt für Gedenkstätten und Initiativen. Zahlreiche Beiträge sind online abrufbar.

 

Dr. Cornelia Dold berichtet von einem digitalen Zeitzeugenworkshop, den das Haus des Erinnerns Mainz mit Schülern durchgeführt hat. Als Arbeitsmaterial dienten Videoaufnahmen der Shoa-Foundation, darunter von fünf Mainzern. Das Stadtarchiv Mainz hatte die Rechte erworben und die Aufnahmen – mit deutschen Untertiteln - zur Verfügung gestellt. Auszüge aus den Videos wurden gemeinsam betrachtet und danach mit den Teilnehmenden besprochen. Der Andrang war so groß, dass ein zweiter Termin angesetzt wurde.

 

Fazit:

Mit diesen neuen Techniken werden Menschengruppen erreicht, die sich bisher nicht angesprochen fühlten.

Es öffnen sich neue Arbeitsmöglichkeiten für die Zeit nach der Pandemie.

Die neuen digitalen Möglichkeiten im ehrenamtlichen Kontext erfordern aber auch, wie Maurice Kuhn darlegt, nicht nur konkrete Anleitung, sondern auch Kenntnisse über die Möglichkeiten von Finanzierung und fachlicher Kommunikation. Thema der Mitgliederversammlung am 12. Juni.

 

 

TOP 6   Fonds Erinnern und Gedenken / Aufnahmeantrag

Bericht Georg Mertes.

Keine neuen Anträge auf Aufnahme und zum Fonds.

 

 

TOP 7   Verband der Gedenkstätten in Deutschland e.V;

Bericht Dr. Franz-Josef Ratter.

Die für den 1.Juni 2021 Präsenzveranstaltung in Berlin wird als Videokonferenz stattfinden. Als Themen sind vorgesehen:

Ergebnisse der Vereinsgründung, Neue Website: www.gedenkstättenverband.de

Umfrage zur Bundestagswahl: Programme der Parteien zur Gedenkarbeit. Das Ergebnis wird an die LAG versandt.

Auswirkungen der Pandemie auf die Gedenkarbeit. Umfrage bei den Mitgliedern zur Lobbyarbeit auf den Landesebenen.

 

 

TOP 8 Festjahr 1700 jüdisches Leben

Dieter Burgard berichtet, dass viele Veranstaltungen trotz der Pandemie gut angenommen werden. Termine und Verschiebungen siehe Website https://www.rlp.de/de/unser-land/1700-jahre-juedisches-leben-in-rheinland-pfalz/

 

 

TOP  9 Verschiedenes

1. Gründung einer Koordinierungsstelle für jüdisches Leben in Rheinland-Pfalz,

Mehrfach seit 2020 verschoben. Neuer Termin: Mittwoch, 24. November 2021 Schloss Simmern. Am Vorabend findet eine Vortragsveranstaltung statt: „Was ist Antisemitismus“ von Dr. Meron Mendel, Direktor der Anne-Frank-Bildungsstätte Frankfurt. 19 Uhr Vortrag und moderierte Diskussion im Pro-Winzkino Simmern.

 

2. Partnerland Ruanda- Gedenkarbeit

Siehe Niederschrift vom 18. März 2021

Dr. Ratter bittet erneut, dies Thema auf die nächste Tagesordnung als eigenen TOP aufzunehmen.

 

3. Europäische Tage der jüdischen Kultur am Sonntag, den 5. September 2021 zum Thema „Dialog“, Näheres unter Jewisheritage.org und Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

 

4. Deutscher Presserat mehrheitlich gegen Karikatur im TRIERISCHEN Volksfreund

Der Beauftragte der Ministerpräsidentin für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen des Landes Rheinland-Pfalz Dieter Burgard hat beim Deutschen Presserat gegen eine vom TRIERISCHEN VOLKSFREUND am 10.10.2020 veröffentlichte Karikatur mit dem Titel „Make Donald great again!" und dem Untertitel "Home Office White House" Beschwerde geführt. Die Mitglieder des Beschwerdeausschusses sind mehrheitlich der Auffassung, dass die Beschwerde begründet ist. Die Karikatur verstößt gegen Ziffer 12, Richtlinie 12.1 des Pressekodex.  In der Karikatur zu sehen ist der damalige amerikanische Präsident vor einer Gruppe von Beratern, die Aktenmappen in den Händen tragen. Über ihm steht in einer Sprechblase: „Amerika hat die klügsten Köpfe und deshalb zeigen wir wo's lang geht! Kapiert?" Auf zwei der Aktenmappen ist der Davidstern zu sehen.

 

5. Das Lager Rebstock 1943/44 - Rüstungsbetrieb und KZ im Ahrtal /Blätter zum Land

Anfrage Richard Keuler. Berichte Uwe Bader und Annika Heinze.

2018 wurde der Entwurf des Heftes in der Reihe „Blätter zum Land“ zurückgezogen, weil es inhaltlich revidiert werden musste. Nach der Rücknahme des Blattes zum Land Nr. 70 (Titel) beauftragte die Landeszentrale für politische Bildung 2019 den Historiker Prof. Dr. Manfred Grieger (Georg-August-Universität Göttingen), Experte für die Thematik NS-Rüstungswirtschaft und der damit verbundenen Betriebe, mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Lagerkomplexes „Rebstock“ im Ahrtal.

Aufgrund der coronabedingten Schließungen der Archive verschob sich die inhaltliche Fertigstellung von 2020 nach 2021. Die Studie liegt der Landeszentrale für politische Bildung nun vor und wird aktuell grafisch bearbeitet. Eine öffentliche Vorstellung soll am Abend des 8. Juli 2021 im Kreis Ahrweiler gemeinsam mit dem Bürgerverein Synagoge Ahrweiler e.V. sowie mit dem Autor erfolgen. Näheres hierzu wird Mitte Juni bekannt gegeben.

 

6. Kooperationsreihe #everynamecounts – Erinnern vor Ort – digitales Denkmal

Zum 8. Mai – Gedenktag zur Befreiung vom Nazi-Regime und zu Ende des Zweiten Weltkriegs, – laden die Arolsen Archives zu einer Kooperationsreihe #everynamecounts – Erinnern vor Ort ein. Damit unterstützen die Arolsen Archives kleine Erinnerungsorte – organisiert von Privatpersonen, Gedenkinitiativen, Geschichtswerkstätten und Vereinen – in ihrem Bemühen, auf ihre Geschichte aufmerksam zu machen. Denn die systematische Verfolgung von Millionen von Menschen fand an vielen Orten statt. Viele kämpfen noch immer darum, als Erinnerungsorte wahrgenommen und anerkannt zu werden.

 

Arolsen Archives laden ein, gemeinsam ihnen die lokale Erinnerungsarbeit dieser Orte sichtbar zu machen und den Verfolgten des Nationalsozialismus ein digitales Denkmal zu errichten.

Mehr Informationen unter: https://enc.arolsen-archives.org/fuer-partner/lokalgedenken

 

In den Wochen nach dem Auftakt am 8. Mai werden einzelne Erinnerungsorte und ihre Projekte in sozialen Netzwerken vorgestellt. Darüber hinaus werden diese Organisationen auch bei der Digitalisierung ihrer Dokumente unterstützt und dieses historische Erbe über das Online Archiv der Arolsen Archives zugänglich gemacht.

 

Niederschrift:

Renate Rosenau

 

Anlage: Zum Tod von Raymond Wolff

 

Allgemeine Zeitung / Nackenheim

 Montag, 03.05.2021 - 11:17

 

 

Kämpfer gegen das Vergessen: Raymond Wolff gestorben

Raymond Wolff ist mit 74 Jahren verstorben. Der Sohn jüdischer Emigranten aus Nackenheim und Staudernheim engagierte sich für die Aufarbeitung jüdischer Geschichte in Rheinhessen. 

Von Hans-Dieter Graf

STAUDERNHEIM/NACKENHEIM - Der Vorsitzende des Museumsvereins Synagoge Staudernheim, Raymond Wolff, ist am Dienstag, 27. April, in Berlin im Alter von 74 Jahren plötzlich verstorben. Sein Tod kam unerwartet - noch tags zuvor hatten seine Freunde sich mit ihm telefonisch über anstehende Projekte ausgetauscht. Nachdem er erst vor zwei Wochen seine erste Covid-19-Impfung erhalten hatte, war er voller Optimismus, dass bald wieder persönliche Treffen möglich sein werden. Wolff wird nun auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weissensee beigesetzt werden. Ein Termin steht noch nicht fest.

Raymond Wolff wurde am 20. Oktober 1946 in New York City geboren. Er wuchs in New Jersey in der Nähe von East Brunswick auf, wo seine Eltern eine Hühnerfarm besaßen. Seine Mutter Elfrieda, geb. Scheuer, stammte aus Staudernheim, sein Vater Helmut aus Nackenheim. Die Großeltern väterlicherseits, Heinrich und Selma Wolff, besaßen in Nackenheim Äcker und Weinberge, Heinrich Wolff war Weinkommissionär und Landesproduktenhändler gewesen. Helmut Wolff hatte in Mainz in einer Weingroßhandlung eine kaufmännische Ausbildung absolviert, der Onkel Herbert einige Semester Medizin studiert und als dies nicht wegen der nationalsozialistischen Verordnungen mehr möglich war, die Buchführung in der Weinhandlung seines Vaters erledigt. Die Wolffs waren 1937, als die Anfeindungen und Verfolgungen der Nationalsozialisten auch in Nackenheim zunahmen, nach Mainz gezogen.

 

1970 wieder nach Deutschland gegangen

Ihren jüngeren Sohn Helmut hatten sie bereits im April 1937 in die USA nach New York geschickt, Herbert Wolff folgte seinem Bruder ein Jahr später. Um die Verbindung zu den Söhnen zu halten, schrieben die Eltern jede Woche einen Brief nach New York. Auch sie wollten emigrieren, doch die Beschaffung der Visen, Bürgschaften und Schiffspassagen zog sich über Jahre hin und wurde nach 1939 zusehends schwieriger. Seit Oktober 1941 schließlich war eine Ausreise gar nicht mehr möglich; die Wolffs wurden nach dem Umzug in verschiedene „Judenhäuser“ am 24. März von Darmstadt aus nach Piaski deportiert und ermordet.

Raymond Wolff studierte Musik und später Germanistik in Cincinnati, Ohio. Als die Einberufung zum Vietnamkrieg drohte, verließ Wolff 1970 die USA. Gegen den erklärten

Willen der Eltern wählte er Deutschland als Zufluchtsort; – das Land, wo er sich, wie er es einmal ausdrückte, „zu Hause“ fühlte, wo man die Sprache sprach, die er als Kind gelernt hatte und die er besser beherrschte als die englische. Nach einem kurzen Aufenthalt in Rheinhessen ging er nach Hamburg und lebte seit 1971 bis zu seinem Tod in Berlin-Neukölln.

Im Jahr 1973 kamen die Eltern zu einem Besuch nach Deutschland und suchten auch ihren alten Heimatort Nackenheim auf. Helmut Wolff trug sich hier in das Goldene Buch der Gemeinde ein, direkt neben dem Eintrag von Carl Zuckmayer. Auf Einladung der Stadt Mainz besuchten Helmut und Elfrieda Wolff anlässlich der „Mainzer Begegnungswochen“ 1991 noch einmal ihre ehemalige Heimat, konnten ihren Sohn Raymond aber wiederum nicht bewegen, in die USA zurückzukehren.

Für Staudernheimer Synagoge engagiert

Das Leben von Raymond Wolff erklärt sich aus den Schicksalen seiner emigrierten und deportierten Familie, deren Erbe zu bewahren, er sich zur Lebensaufgabe gemacht hatte. Zwei Projekte bestimmten nach der Mitwirkung in der Berliner Antikriegs-Bewegung und dem Abschluss eines Studiums der Germanistik und Amerikanistik sein Leben: Die Restaurierung der ehemaligen Synagoge von Staudernheim (Landkreis Bad Kreuznach) – dem Dorf, aus dem seine Vorfahren mütterlicherseits stammten – und die Veröffentlichung der Briefe seiner Großeltern väterlicherseits. Bei seinen Eltern fand er dafür kein Verständnis und keine Unterstützung, da sie weder sein Leben in Deutschland noch sein Engagement dort guthießen. Vor allem seine Mutter hätte sich, wie es Wolff einmal ausdrückte, einen „guten Amerikaner“ gewünscht. Seine Schwester entsprach diesem Bild. Deren späterer Ehemann trug bei der Hochzeit eine Militäruniform. Raymond Wolff empfand das als persönliche Brüskierung.

Aktuell arbeitete Wolff an der Herausgabe der Briefe seiner im Holocaust umgekommenen Großeltern aus Nackenheim an ihre Söhne in New York. Die nahezu vollständig erhaltenen Briefe geben einen Einblick in die Lebenssituation einer jüdischen Familie im Spannungsfeld zwischen Emigration und Deportation. Dass die Briefe erhalten und nach Deutschland zurück gelangt sind, ist Raymond Wolff zu verdanken. „Meine Mutter hatte sie bereits in die Mülltonne geworfen, wo ich sie seinerzeit heimlich herausgefischt habe“, berichtete Wolff. Als Junge hatten ihn zunächst nicht die Briefe an sich, sondern die Briefmarken interessiert. Insbesondere die bunten Marken mit dem Hitler-Portrait faszinierten ihn und er riss sie, wie heute noch an den Kuverts zu erkennen ist, heraus. „Der andere Mann [Hindenburg] schaute so finster, deshalb wollte ich sie nicht haben“. Diese Briefe begleiteten Raymond Wolff sein ganzes Leben lang. „Sie zu veröffentlichen, bin ich meinen Großeltern und allen in den Briefen erwähnten Verwandten schuldig. Es ist meine Mission“, bemerkte er einmal. Die Veröffentlichung der Briefe unter dem Titel "Schreie auf Papier" ist für Sommer 2021 geplant. 

 

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